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Dieses Buch ist von einem Pädagogen und Lehrer geschrieben, beachtet psychoanalytische Erfahrungen nur am Rande und handelt in französischer Sprache
über das Leben des Kindes im fernab liegenden afrikanischen Milieu. Wir glauben dennoch, daß die Lektüre für europäische Psychoanalytiker und Kindertherapeuten außerordentlich Interessantes bietet.
Die „durchschnittlich zu erwartende Umwelt“ (Heinz Hartmann), in der sich die seelische Entwicklung des Kindes mehr oder minder ungestört vollzieht, wurde von der Psychoanalyse selbst wenig beachtet. Erst in den letzten Jahren ist sie in pathologischen Verzerrungen und im Bezug auf ihre besondere gesellschaftliche, insbesondere klassenmäßige Gestaltung näher untersucht und als wichtiger Faktor erkannt worden. Wie sehr wir es jedoch bei unseren Betrachtungen über die Umwelt des Kindes mit eng kulturgebundenen Spezialfällen zu tun haben, welche andersartigen Möglichkeiten und Einflüsse die Kindheit bestimmen können und wie sehr wir uns hüten müssen, das „durchschnittlich zu erwartende“ als das „normale“ oder gar allein richtige anzusehen, wird klar, wenn wir uns einem anderen Kulturkreis zuwenden. Der Autor, ein in Afrika erfahrener Lehrer und Erzieher und ein hervorragender Kenner afrikanischen Lebens und afrikanischer Kulturen, entwirft ein meisterhaft gezeichnetes Bild vom Milieu und den Haltungen, Meinungen, Institutionen und Traditionen, welche die afrikanische Kindheit bestimmen. Es ist ihm sogar gelungen, ohne unerlaubte Verallgemeinerungen das den oft sehr verschiedenen afrikanischen Völkern Gemeinsame hervorzuheben. Wenn der europäische Psychotherapeut sich auch da und dort weniger abstrakte Beschreibungen wünschen würde, kann er doch nicht umhin, vieles, was er bisher in seiner eigenen Umgebung als richtig und vorgegeben ansah, neu in Frage zu stellen. Dies scheint mir Grund genug, sich in die Gedankengänge eines Pädagogen einzulesen und sich in die fremdartige Welt des afrikanischen Kindes führen zu lassen.