You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Sprechstunden-Interviews von 20-30 Minuten Dauer werden seit Anfang 1972 im Sigmund-Freud-Institut dem aufwendigen psychodiagnostischen Verfahren vorgeschaltet, um die Schere zwischen der wachsenden Zahl von Ratsuchenden und der begrenzten Kapazität der Ambulanzabteilung, die zu monatelangen Wartezeiten geführt hatte, zu schließen. H. Argelander stellt das neue Verfahren einleitend vor und erörtert seine mögliche psychoanalytische Relevanz. In Analogie zur Arbeit mit sog. „Balint-Gruppen“ ergibt sich im psychoanalytisch orientierten Kurzgespräch im günstigen Falle die Möglichkeit, mit dem (situationsspezifisch inszenierten) „unbewußten Angebot“ des Patienten ein Stück weit interpretativ zu arbeiten. O. Goldschmidt beschreibt Vorgeschichte und Entwicklung des Sprechstundeninterviews. K. Kennel erörtert die Verstehens- und Verständigungsvorgänge im Kurzgespräch anhand eines instruktiven Beispiels; es zeigt, daß der psychoanalytische Dialog sich auch unter diesen Umständen entfalten kann, so daß wesentliche Konturen eines aktuellen unbewußten Konflikts auf dem Hintergrund der Lebensgeschichte hervortreten. R. Fischer führt an drei Beispielen vor, wie (in diesem Rahmen unauflösbare) Widerstandsreaktionen von Patienten das Kurzgespräch scheitern lassen. A. Eckstaedt arbeitet spezifische Strukturen der Sprechstunden-Klientel des ersten Halbjahrs (262 Patienten) anhand von Daten heraus, die von Patienten und Therapeuten erhoben wurden. Angestellte (26,6%), Studenten (22,4%) und Akademiker (14,1%) stellen die drei größten Gruppen der Sprechstunden-Klientel; 46% der Patienten haben das Abitur. Der enge Zusammenhang zwischen sozialer Lage, schichtspezifischer Ausbildung und der Möglichkeit, ein Bedürfnis nach psychotherapeutischer Hilfe zu artikulieren, tritt deutlich zutage.