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Die Gründe, die eine Gruppe von Mitarbeitern der Ambulanzabteilung am Sigmund-Freud-Institut veranlaßten, ein neuartiges Modell einer psychoanalytischen „Sprechstunde“ zu erproben, hat O. Goldschmidt1 dargelegt. Zugleich hat er den Entwicklungsgang bei der Einführung dieses Konzepts im Rahmen der Ambulanztätigkeit nachgezeichnet. Im Nachfolgenden sollen unsere bisherigen Erfahrungen mit diesem Konzept anhand ausgewählter statistischer Daten dargestellt und einige sich daraus ableitenden Fragestellungen diskutiert werden. Vielleicht kann eine solche Darstellung unseres Modells anderen Beratungsinstitutionen Anregungen geben, soweit sie sich vor ähnliche Aufgaben gestellt sehen.
Ich streife kurz nochmals die äußeren und internen Gründe, um die Notsituation zu charakterisieren, in der das Sprechstundeninterview entworfen wurde. Einer der äußeren Gründe ist die bekannte Tatsache, daß die Zahl der Patienten, die eine psychotherapeutische Beratung, Behandlung oder Hilfe suchen, ständig wächst, während die Zahl der in eigener Praxis niedergelassenen Psychoanalytiker und Psychotherapeuten immer noch viel zu klein ist, um dieser Nachfrage auch nur annähernd gerecht zu werden. Angesichts dieser Situation legte sich uns der Gedanke nahe, dem völlig unversorgten Patienten unter Verzicht auf ein aufwendiges diagnostisches Verfahren ein Gespräch anzubieten, das ihm Gelegenheit gab, ohne zeitlichen Verzug über seine aktuellen Probleme zu sprechen. — Ein interner Grund bestand darin, daß die Subtilität unserer routinemäßigen psychodiagnostischen Untersuchungen bei der hohen Zahl der Anmeldungen zu einer Blockierung des Arbeitsablaufs innerhalb unserer Ambulanzabteilung führte. Es entstanden u. U. Warte- und Untersuchungszeiten von vielen Monaten. Außerdem erschien uns die Effizienz eines solchen Untersuchungsverfahrens häufig fragwürdig, wenn im Anschluß an die Untersuchung keine Möglichkeit bestand, den Patienten einer analytischen Behandlung zuzuführen.
Das Sprechstundeninterview s