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David Cooper trat bisher vor allem als Mitarbeiter Ronald Laings hervor, mit dem er 1964 „Reason and Violence“ veröffentlichte. 1967 schrieb er, noch mit Laing verbunden, „Psychiatry and Antipsychiatry“. Sein letztes Buch, „Der Tod der Familie“, entstand zu einer Zeit, als er sich (wie er dem deutschen Journalisten Robert Lukas in einem Interview1 erzählte) bereits von Laing zu trennen begann. Diesem Cooper-Interview zufolge sind Laings Ideen im Konventionellen steckengeblieben, während seine, Coopers, Ideen sich weiterentwickelt haben — weiterentwickelt wohin?
Wie den Sartre der „Critique de la raison dialectique“ hat man Cooper einen marxistischen Existentialisten genannt. Der Einfluß des späten Sartre, dessen Ideen er brillant in „Reason and Violence“ resümierte, erscheint in der Tat bedeutend. Aber eher noch als einen marxistischen Existentialisten kann man Cooper einen Anarchisten nennen. Als solcher stünde er nicht in der Tradition von Marx, sondern in der von dessen russischem Zeitgenossen Michael Bakunin. Doch ist Cooper natürlich ein Anarchist unseres Jahrhunderts, psychologisch versierter als Bakunin; vor allem ist er ein „Antipsychiater“.
Als solcher hat er in gewissem Sinne Geschichte gemacht. Im Januar 1962 übernahm er die Leitung der „Villa 21“, einer Station in einem großen, im Nordwesten Londons gelegenen psychiatrischen Krankenhaus mit 200 Betten. Seine Erfahrungen auf dieser Station beschrieb er in seinem Buch „Psychiatrie und Antipsychiatrie“2. Bei der Leitung seiner Station ging er von der Prämisse aus, daß Geisteskrankheit in erster Linie aus der institutionalisierten Irrationalität der Gesellschaft resultiere. Cooper organisierte daher seine Station gleichsam quer zur gesellschaftlichen Irrationalität: Er unternahm es, die geistige Gesundheit ihrer Insassen wiederherzustellen, indem er jene Einstellungen und Phantasien des Pflegepersonals korrigierte, die die Patienten bisher in der gesellschaftlichen Irrationalität gefangenhielten. Typisch ist