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Auf dem europäischen Kontinent hat sich die neuere Sprachphilosophie, auch da, wo sie semantische Kritik betrieb, ihre Angriffspunkte meist in den Disziplinen der Philosophie ausgesucht. Prominentes Beispiel sind die Arbeiten des Wiener Kreises, der in den dreißiger Jahren die Philosophie als Wissenschaft festigen und von den Unklarheiten der Metaphysik reinigen wollte, und zwar mit Hilfe der grammatisch-logischen Analyse der Sprache und der Bedeutungsanalyse. In den USA hingegen entwickelte sich gleichzeitig eine dem Pragmatismus nahestehende semantische Bewegung, der es zwar ebenfalls um semantische Analyse (Bedeutungsanalyse) ging, aber vorwiegend mit dem praktischen Zweck, die im Alltagsleben wirksame, aber nicht erkannte „Tyrannei der Wörter“ (etwa in der Reklame und der politischen Propaganda) zu entlarven und durch eine Art Sprachhygiene (A. Korzybski, S. Hayakawa) zu überwinden.
Anatol Rapoport, Mathematiker und Psychologe, ist Professor für mathematische Biologie in Toronto (Kanada) und unter anderem durch Arbeiten über Mathematik und Spieltheorie bekannt. Seine „Bedeutungslehre“ ist wohl hauptsächlich für Studenten und Nicht-Fachleute aller Fachrichtungen geschrieben. Damit und in der thematischen Auswahl stellt sie eine gelungene Verbindung her zwischen „europäischer“ und „amerikanischer“ Semantik: Es werden die Schwierigkeiten der menschlichen Kommunikation sowohl im praktisch-alltäglichen Bereich als auch in den Wissenschaften behandelt, deren Sinn und Bedeutung sehr oft auch von den Wissenschaftlern selbst unbefragt bleibt und in Sprachlosigkeit mündet, wenn das Gebiet technologischen Funktionierens überschritten wird.
Ausgehend von dem unbestreitbaren Zusammenhang zwischen Sprache und Denken folgert Anatol Rapoport in seiner „Bedeutungslehre“, daß der Unterschied zwischen der „logischen Struktur“ einer Sprache und der Struktur der Wirklichkeit vor allem zwei wichtige Fragen herausfordert: Wie weit fördert die Sprache unsere Erkenntnis der Wirklichkeit,