You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
1969 veröffentlichte in den USA der renommierte Verlag Alfred A. Knopf das Buch „Brother Animal. The Story of Freud and Tausk“. Als Verfasser zeichnet der amerikanische Soziologe, Publizist und Harvard-Professor Paul Roazen. In dem Band werden u. a. die Behauptungen aufgestellt, Sigmund Freud habe eine Art Dreiecksverhältnis mit Lou Andreas-Salomé und Viktor Tausk geteilt, aus „Eifersucht“ eine Analyse Tausks abgelehnt, einen weiteren Analyseversuch Tausks bei Helene Deutsch sabotiert und endlich den armen Schüler mehr oder weniger indirekt zum Selbstmord getrieben; außerdem soll Freud den „Konkurrenten“ auch noch wissenschaftlich geplündert haben.
Das reißerisch angelegte Buch wurde von Nichtanalytikern wie Arthur Koestler gelobt („Ein sehr wichtiger Beitrag zur Geschichte der Psychoanalyse — und darüber hinaus überhaupt zur Geistesgeschichte“), und selbst erfahrene Analytiker und — wie man meinen sollte — Freud-Kenner wie Charles Rycroft und Peter Lomas besprachen das Buch durchaus wohlwollend. Joseph Wilder kam 1970, in seiner Rezension für das „American Journal of Psychotherapy“, sogar zu dem Schluß: „Dieser Rezensent kann nicht umhin, die Fähigkeit des Autors (gemeint ist Roazen) zu bewundern, dem es gelang, obwohl er in einer anderen Zeit und einem anderen Land lebt, mit Hilfe sehr sorgfältiger Recherchen die Atmosphäre von Freuds Leben und seine Kämpfe neu zu schaffen.“ Psyche-Leser konnten sich im März-Heft 1973 in einer vernichtenden Glosse von William C. Niederland („Ein Biograph auf Abwegen“) mit den gröbsten Fehlern, Bosheiten und Schludrigkeiten Roazens vertraut machen; Niederland entlarvte diesen Autor als heftigen Analyse-Gegner und überantwortete sein „Machwerk“ dem wissenschaftlichen Orkus.
Das Buch K. R. Eisslers, das hier besprochen werden soll, war ursprünglich ebenfalls als Entgegnung auf Roazens Behauptungen, Geschichtsklitterungen und Verleumdungen gedacht; das sieht man auch an der teilweise beißenden Polemik, die gerade durch ihren sachlich ko