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Wenn man in Anlehnung an den Mathematiker Kurt Gödel akzeptiert, daß Erkenntnis ein unendlicher Prozeß und ein Ende der Axiomatisierung nicht denkbar ist, dann imponiert Hans Kilians stimulierende und von großer intellektueller Anstrengung zeugende Untersuchung „zur dialektischen Sozialpsychologie“ einerseits wie eine Bestätigung dieser nach Robert Havemann auch für die Dialektik gultigen Einsicht, andererseits jedoch wie ein Versuch, sie zu widerlegen, indem nämlich der Autor zwar kritisch Vorläufigkeiten und mißbräuchliche Verkürzungen der für eine „dialektische Anthropologie“ in seiner Sicht maßgeblichen Systeme von Freud, Marx und Teilhard de Chardin aufzeigt und Versteinerungen aus dem Weg räumen möchte, selbst aber sehr anspruchsvoll den Anschein erweckt, mit einem „integralen historischen Modell“ den Sprung in eine gleichzeitige Erfassung der Gesamtwirklichkeit leisten zu können, die von ihm — mit dem Mut, sich dem Vorwurf der Alchemie auszusetzen — als transkulturelle Identität des vierdimensionalen Menschen charakterisiert wird.
Im Vorwort wird zusammenfassend als Aussage des Buches mitgeteilt, eine Orientierung in der widerspruchsvollen Realität der Übergangsgesellschaft sei nicht möglich, solange übersehen werde, daß der historische Wandel mit einer gegenwärtig sich vollziehenden Strukturrevolution der psychosozialen Identität des Menschen einhergehe (S. 9). Kilian möchte den Widerspruch zwischen der gesellschaftlichen Produktion des Bewußtseins und seiner privaten und privativen Aneignung durch Herrschaftsstrukturen, den „Mittelbau“ der unbewußten Strukturen menschlicher Selbststeuerung und das ahistorische und subjektivistische Realitätsmodell der traditionellen Sozialpsychologie zum Gegenstand der Forschung machen. Er gelangt dabei zu einem dialektischen Wirklichkeitsbegriff, der eine gesellschaftliche und historische Vermittlung des Individuums ebenso impliziert wie die mögliche integrative Kompetenz des Individuums zur „Legitimitätsprüfung“ und „Reali