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Die traditionelle naturwissenschaftliche Medizin ist streng hierarchisch strukturiert. Der Arzt, genauer gesagt der Chefarzt, ist agierendes Subjekt, der Patient leidendes Objekt. Schwestern und andere Pflegepersonen nehmen in dieser Hierarchie eine mittlere Position ein. Sie sind einerseits die Hilfskräfte des Arztes, dessen Anordnungen sie an den Patienten ausführen müssen, anderseits diesen gegenüber auch mit erheblicher eigener Machtvollkommenheit ausgestattet.
Sieht man im Kranken nur das passive Objekt, den zu reparierenden Mechanismus, und im Arzt entweder den omnipotenten Magier oder aber den über enorme technische Hilfsmittel verfügenden Medizinaltechniker, dann mag die eben skizzierte autoritär-hierarchische Struktur der Medizin durchaus angebracht sein. Sie wird aber untauglich, sobald man, wie uns das die patientenzentrierte psychosomatische Medizin lehrt, im Patienten das Subjekt entdeckt. Dann werden Ärzte, Pflegepersonen und Patienten zu einer Gruppe mit dynamischen Interaktionsprozessen, die es zu erforschen und besser zu verstehen gilt, damit optimale Resultate erzielt werden können. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung gegenüber anderen, vor allem angelsächsischen Ländern, beginnt man sich auch bei uns für diese dynamischen Interaktionsprozesse zu interessieren.
Maria Pinding, wissenschaftliche Oberrätin am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie des Bundesgesundheitsamtes, hat es dankenswerterweise unternommen, „die Krankenpflege aus der Perspektive verschiedener medizinischer und sozialwissenschaftlicher Disziplinen zu betrachten, um das Problembewußtsein für diesen Bereich der Krankenversorgung zu vertiefen oder auch erst zu wecken“ (Seite XIII). Die Vielschichtigkeit der Probleme verlangt es, daß dabei Fachleute verschiedenster Disziplinen zu Wort kommen. So entstand in interdisziplinärer Teamarbeit ein Buch, zu dem insgesamt 27 Mitarbeiter — Krankenschwestern, Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Sozialwissenschaftler, Psychologen, Volk