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Im Juni-Heft der Psyche gab der Gießener Psychoanalytiker und Soziologe Peter Fürstenau einen Überblick über „Probleme der vergleichenden Psychotherapieforschung“, in dem er die gegenwärtige Fülle von Theorien und Behandlungsverfahren seelischer Störungen auf den gemeinsamen Nenner brachte: „… menschliches Erleben und Sichverhalten zu ergründen und zu verstehen, um auf dieser Basis wirksame Behandlungsverfahren zu entwickeln und anzuwenden“.
So umfassend man dieses Spektrum auch noch vor einem Jahr darzustellen versuchte, inzwischen ist man so weit über die amerikanische Szene informiert, daß dieser Nenner nicht mehr als der gemeinsame bezeichnet werden kann. Es breiten sich Schulen und Gruppen aus, die einen solchen Ansatz als viel zu theoretisch ansehen; es gehe nicht darum, etwas zu ergründen oder zu verstehen, die Behandlung habe viel direkter zu sein; an Stelle von Aufarbeitung, Rekonstruktion und Deutung wird beispielsweise angestrebt: Fühlen, Urschmerzen, Urschrei, reales Sein.
Das ist die Botschaft eines Erfahrungsberichts des amerikanischen Psychologen Arthur Janov in: „Der Urschrei. Ein neuer Weg der Psychotherapie“ (gekürzte und editorisch schlechter ausgestattete deutsche Ausgabe der 1970 erschienenen amerikanischen Originalfassung „The Primal Scream“).
Zählt Janovs „Urschrei“ zu den Neuentdeckungen gegenwärtiger Psychotherapie oder wird man ihn schon in einem Jahr verramscht finden? Was steckt an theoretischen Ansätzen und (praktischen) Verfahrenstechniken hinter diesem dramatischen Titel und dieser pathetischen Widmung: „… der Jugend der Welt gewidmet — der wahren Hoffnung der Menschheit“?
Seine Theorie nennt Janov eine „Primärtheorie“, weil sie für die nachträgliche Befriedigung primärer Bedürfnisse (nach mütterlicher Liebe) plädiert, und — umfassender — weil sie auf das Primäre des eigentlichen, aber verschütteten Lebens, des realen Lebens, auf das Fühlen, abzielt. Sie hebt sich als Theorie in dem vom Therapeuten fühlend begleiteten Selbstfindungsprozeß