You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Kohuts bemerkenswertes Buch über den Narzißmus ist bei Vorlage der amerikanischen Urausgabe bereits von Fritz Morgenthaler in dieser Zeitschrift (Psyche, 27, ) vorgestellt und gewürdigt worden. Das Erscheinen der deutschen Ausgabe ist Anlaß, einige Gesichtspunkte hinzuzufügen, so wie umgekehrt diese Gesichtspunkte vom Inhalt und vom Urteil her durch die Erstrezension ergänzt und abgerundet werden. Morgenthaler würdigt zu Recht die begründete Substanz dieses Buches, in erster Linie unter dem klinischen Aspekt. Was hier vorliegt, ist die Frucht eines Berufs. Man spürt, daß sich hier jemand über viele Jahre hin die therapeutische Aufgabe nicht leicht gemacht hat und der therapeutische Eros sich auch didaktisch mitzuteilen und zu vervielfältigen sucht.
Wie fällt die Betrachtung sub specie scientiae aus? Die theoretische Neuerung besteht in dem Konzept des Narzißmus, von dem gesagt wird, daß er „eine unabhängige Entwicklungslinie einschlägt“ (Seite 22) — unabhängig nämlich von der Entwicklung der Objekttriebe des Sexus und der Aggression. Damit ist zugleich ausgesagt, wie dieses neue Konzept in den Rahmen der klassischen Metapsychologie eingefügt wird: im Sinne eines energetischen Triebs, analog den Objekttrieben, gewissermaßen als Selbsttrieb, mit den zugehörigen Schicksalen.
Schwerer fällt die Einordnung des zugehörigen Begriffs des Selbst. Darüber gibt es in dem Buch nur diesen systematischen Abschnitt: „Das Selbst … entspricht in seiner Begriffsbildung einer verhältnismäßig niederen, das heißt verhältnismäßig erfahrungsnahen psychoanalytischen Abstraktion als ein Inhalt des psychischen Apparates. Während es also keine psychische Funktion darstellt, ist es eine Struktur innerhalb der Psyche, weil es (a) mit Triebenergie besetzt ist und (b) eine zeitliche Kontinuität hat; das heißt, es ist dauerhaft. Als psychische Struktur hat das Selbst weiterhin auch einen psychischen Ort. Genauer gesagt, verschiedene — und häufig widersprüchliche — Selbstrepräsentanzen sind nicht nur