You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das parlamentarische Verhalten von Abgeordneten auf den Hinterbänken des Bundestages ist einmal von einem formulierungsfreudigen Hamburger Wochenmagazin mit den bedingten Reflexen Pawlowscher Hunde verglichen worden — ein Vergleich, der sich auf die Bekanntheit des Pawlowschen Glockenversuchs stützt, jedoch weder den Abgeordneten noch dem Forschungswerk Pawlows gerecht wird. Allerdings kennt man dieses in der Regel bisher nur in der vulgarisierten Form oder im besten Fall durch die Vermittlung amerikanischer Forscher (Gantt, Razran, für die Psychoanalyse L. S. Kubie). Die vorliegende Auswahl könnte das ändern. Sie bietet einen Querschnitt durch Aufsätze, Vorträge und Diskussionsbeiträge, der in den Pawlowschen Denkansatz und die um die Verfolgung dieses Ansatzes bemühten Methoden einführt. Man erfährt daraus, daß Pawlow bereits einen homöostatischen Begriff des Organismus verwendete: „Die großartige Kompliziertheit der höheren und auch der niederen Organismen als Ganzes (bleibt) nur solange bestehen, wie alle Teile, aus denen sie sich zusammensetzen, untereinander fein abgestimmt mit den Bedingungen der Umwelt genau verbunden sind und sich im Gleichgewicht befinden“ (Seite 16); und daß er das feedback-Prinzip im Organismus-Umwelt-Verhältnis, indem er es begrifflich vermißte, vorwegnahm: „Leider haben wir bis jetzt noch keinen eindeutigen wissenschaftlichen Terminus zur Bezeichnung dieses Grundprinzips des Organismus, seiner inneren und äußeren Gleichge-wichtseinstellung“ (Seite 17).
Diese genauen Beobachtungen verdanken sich zweifellos dem Umstand, daß Pawlow sich mit dem Hund ein Versuchstier gewählt hatte, das dem Menschen als Hausgenosse gewissermaßen intim vertraut ist und das zudem in Pawlows Institut eine auch von Besuchern (Gantt) hervorgehobene sorgsame Pflege erfuhr, so daß die Tiere im sog. chronischen Experiment trotz der operativen Eingriffe nicht selten ein hohes Lebensalter erreichten und derart als „Individuen“ den Untersuchern nahe bekannt wurden; Ga