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Der „gesamtgesellschaftliche sexuelle Liberalisierungsprozeß“ (Seite 8) hat für den Arzt die Konsequenz, daß er zunehmend mit Patienten konfrontiert wird, die ihn wegen sexueller Probleme konsultieren und hier „einerseits eine selbstverständliche und problembewußte, andererseits aber eine fordernde Haltung“ einnehmen. Die Frau, die mit psychogenen Orgasmusstörungen den Arzt aufsucht („was ganz gewiß immer häufiger vorkommen wird“, Seite 36), wird bei ihm auf Grund mangelhafter oder fehlender Ausbildung aber weniger Verständnis als vielmehr „irrational-affektive Werturteile“ (Seite 14) finden, verbunden mit einer „oppressiven Sexualideologie“ (Seite 24): „Viele Frauen hätten sowieso niemals einen Orgasmus und seien trotzdem voll befriedigt“ (Seite 8). Diese Ideologie stellt Sigusch anhand haarsträubender Zitate auch aus neueren gynäkologischen Lehrbüchern vor (Seite 24 ff.), in denen sich, wo Psychologie und Soziologie der Sexualität zu thematisieren wären, „Bio-Mystizismen“ (Seite 35) finden. Hier wird Sigusch deutlich, daß „die Medizingeschichte … zugleich eine Geschichte des Kampfes gegen die Sexualität“ (Seite 25) ist. Ein neu zu errichtendes Fachgebiet Sexualmedizin müßte dem gemeinsam mit der Psychosomatik, der Medizinischen Psychologie und der Soziologie entgegenwirken. Die Lehrveranstaltungen zur Sexualmedizin, für die ein umfangreicher Themenkatalog vorgelegt wird (Seite 11), sollten in kleinen Gruppen stattfinden, „um … möglichst offen und angstfrei kommunizieren zu können“ (Seite 18). Zu bearbeiten sei hier auch das Problem, daß „viele Studenten — Ärzte wurden bisher leider nicht untersucht — offen sexuell gestört sind“ (Seite 17). Wer diese Ausbildung übernehmen soll, bleibt offen, zumal „von medizinisch-sexualwissenschaftlichen Theoriebildungen … kaum gesprochen werden“ (Seite 45) könne. Eine geschlossene Theorie der Sexualität liege bisher nur von der „mittlerweile jedoch deutlich vom Sexuellen abgerückten Psychoanalyse“ (Seite 28) vor. W. Reichs Sexual