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Seit Kinseys sensationeller Publikation sind die Veröffentlichungen von Befragungen über sexuelles Verhalten nicht mehr abgerissen. Trotzdem stellt das vorliegende Buch hinsichtlich seiner praktischen Bedeutung eine Besonderheit dar. Weist es doch auf eine vor allem innerhalb der Studentenschaft zu beobachtende Diskrepanz zwischen öffentlicher, ja man könnte beinahe sagen offiziöser Einstellung zur Sexualität und praktizierter Sexualität hin. Methodisch wirft das Buch die alte Frage auf, ob der Gegenstand der Sexualität in einem Befragungsverfahren, sei es auch seit Kinsey noch so fein strukturiert, „erfaßt“ werden kann. Da jedoch keine andere Möglichkeit besteht, eine repräsentative, genügend große Gruppe quantitativ zu untersuchen, müssen wir auch die Mängel dieser Methode hinnehmen. Ganz sicher ist die klinische Methode, die sorgfältige Analyse des Einzelfalls, wie sie innerhalb der Psychotherapie oder heute auch mehr und mehr an den Beratungsstellen praktiziert wird, ungleich differenzierter. Jedoch stellen die ratsuchenden Studenten bereits eine Auswahl dar und sind daher nicht für die Gesamtheit repräsentativ. Deshalb ist dieses Buch gerade für den praktizierenden Psychotherapeuten und vor allem den in einer Studentenberatungsstelle Arbeitenden von hohem informativem Nutzen.
Nach einer ausführlichen Darstellung der einzelnen sexuellen Praktiken — Masturbation, Masturbationsarten, Pettings, Koitus bei unverheirateten und verheirateten Studierenden, werden Vergleiche mit Studierenden anderer Länder (USA, Skandinavien, DDR) angestellt und vor allem, u. E. das Wichtigste, die Korrelation von Verhalten und Einstellung betrachtet.
Über den engeren Fachkreis hinaus halten wir dieses Buch für jeden Hochschullehrer, ja auch für jeden Politiker, der sich zu den Fragen der heutigen Jugend äußert, für außerordentlich lesenswert. Ist doch hier ein Material angehäuft, das manche vorschnellen Behauptungen entkräften hilft.