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Hans Peter Bleuels Bericht über „Kinder in Deutschland“ handelt nicht von den Kindern selbst, sondern von sozialen Mißständen, von denen Kinder in verschiedenen Phasen ihrer Entwicklung betroffen werden: Kindesmißhandlung, beengende Wohnverhältnisse, Mangel an Spielplätzen und Kindergärten, Fremdbestimmung der Bildungsgänge, überholte Leitbilder der Kindererziehung und Sozialfälle aufgrund von Nachlässigkeit und festsitzenden sozialen Vorurteilen. Schon diese Aufzählung macht das breite Spektrum sozialer Probleme deutlich, auf die der Autor eingeht. Er zeigt sich dabei informiert über den Stand der öffentlichen Diskussion und unterwirft wissenschaftliche Untersuchungen wie auch Reformvorschläge seinem common-sense-Urteil. Mit meist überzeugenden Argumenten spricht er gegen Mietwucher und für Wohnraumbewirtschaftung, gegen Ungleichheit der Bildungschancen und für Vorschulerziehung sowie Ganztagsschulen, gegen überholte Wertorientierungen und für „Erziehung zur Selbständigkeit und freiem Willen“ (Seite 127), gegen den 218 des StGB und für die Fristenlösung.
Bleuel wendet sich mit seinem engagierten Plädoyer für „kinderorientierte“ soziale Verhältnisse offenbar an den Typus des Bürgers, der zunehmend Partizipationschancen wahrnimmt und initiativ wird, wo der Staat versagt. (Der Abschnitt „Kindergarten“ enthält eine Aufstellung über alles, was bei der Gründung eines Kindergartens in Selbsthilfe zu beachten ist.) Problematisch allein ist der Versuch, den Leser für reformerische Initiativen zu motivieren. Der isolationistischen und handlungslähmenden Wirkung von Schuldgefühlen wird durch seinen Appell an eben diese Schuldgefühle bei den Eltern entgegengetreten: