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Max Schur, der „Leibarzt„, der Sigmund Freud in seiner langen, qualvollen Krankheit von 1923 bis 1938 Freund und Weggenosse war, der ihm seinen Todeskampf zu erleichtern half, zeichnet hier mit sorgfältiger Akribie nicht nur eine Krankheitsgeschichte, sondern geht in seiner Biographie mit analytischem Verständnis auch Freuds Verhältnis zum Tod, zum Sterben und zum Töten nach.
In diesem Buch werden einige Aspekte von Freuds Lebensgeschichte hervorgehoben, die in Jones' monumentaler Biographie nicht genannt worden oder nicht subtil genug herausgearbeitet worden sind.
Freuds spezifisch jüdisches Schicksal, auf das nach Meinung mancher Kritiker (z. ) in Jones Biographie nicht detailliert genug eingegangen worden war, ist hier von Bedeutung, weil es einen Einfluß auf Freuds Umgang mit dem Tode hatte. So ist Freuds ostjüdische Herkunft zu erwähnen, die sicher einen Niederschlag in seiner Mentalität gefunden hat, auch wenn er bewußt diese Beziehung nicht pflegte — sein liberal denkender Vater stammte aus Tysmenica, einem von frommen, schriftgeläubigen Juden bewohnten kleinen Ort in Galizien. In der kabbalistischen Tradition spielen, da in der hebräischen Schrift Zahlen aus Buchstaben gebildet werden, bestimmte Buchstabenverbindungen demnach sowohl eine Zahl als auch ein Wort bedeuten können, magische, ja prophetische Zahlenkombinationen eine Rolle. So ist es kein Zufall, daß in Freuds Leben immer wieder zwanghafte Präokkupationen mit vermeintlichen Todesdaten auftraten und ihn, wider bessere Vernunft, quälten. Mehrfach handelte es sich dabei um „anniversary reactions„, z. B. um Daten, die an den Tod des Vaters oder den des älteren Bruders Emanuel erinnerten. In diesem Kontext ist auch die Anziehungskraft zu verstehen, die das „periodische System“ von Fließ für ihn hatte, das in seinem Totalitätsanspruch paranoider Züge nicht entbehrte und eigentlich psychologischem Verstehen entgegengesetzt war.
Schur weist nach, daß die „Schuld des Überlebenden„, aber auch geheime infantile