You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Autor begreift psychosomatische Erkrankungen als Folge „widersprüchlicher Sozialisationsbedingungen in einer Klassengesellschaft„. Der spätere „Psychosomatiker„ entwickle in der entscheidenden Zwei-Personen-Beziehung eine „Grundstörung„ und oknophile Charakterzüge im Sinne von M. Balint. Objektverlust bedrohe daher sein „biologisches Selbst„ und könne „biologische Abwehrsysteme„ aktivieren. In der „sekundären Sozialisation„ neige „der Psychosomatiker„ zur autoplastischen Anpassung. Dem komme die kapitalistische „Fremdbestimmung der Arbeit„ entgegen. „Indem sich der Psychosomatiker reifiziert, wird er zur Funktion …, stabilisiert er das System auf Kosten des Symptoms. Maximale Adaptation wird möglich durch die Negation der Person, wobei die Polarisierung von Anpassungsanstrengung und Selbstdestruktion als eine konkrete Existenzform des antagonistischen Widerspruchs der kapitalistischen Gesellschaft in den Subjekten aufgefaßt werden kann„ (Seite 107).
Von seiner marxistischen Position aus gelingt es Zepf, einige Klippen empirischer Forschung, was Entstehung und Fortdauer psychosomatischer Krankheiten betrifft, zu überfliegen: Welcher Grad von „Grundstörung„ ist sozusagen unvermeidbar? Kann psychoanalytische Beobachtung nicht recht ähnliche psychodynamische Befunde erheben bei Patienten mit und ohne eine psychosomatische Krankheit? Woher die Krankheitsspezifitäten? Werden die Erfolgschancen einer Psychotherapie hinsichtlich der organischen Symptomatik unter Analytikern nicht unterschiedlich beurteilt? Haben psychosomatische Erkrankungen tatsächlich „enorm zugenommen„ (Seite 110)? Zweifellos gelingt dem Autor das Vorhaben, sein Konzept „festzumachen„. Den Leser könnte indes die Vermutung beschleichen, hier sei am Ende aus einem fruchtbaren Problem eine falsche Selbstverständlichkeit gemacht. Welches theoretische Verstehen muß nach derartiger „agitatorischer Valenz„ trachten? Über den Standort für eine ganzheitliche Betrachtungsweise schrieb Dostojewski bei Gelegenhei