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Monods Essay hat auf den Bestsellerlisten gestanden und ist entsprechend bereits durch die Rezensionsapparate nicht nur der Zeit, sondern auch des Spiegel gelaufen. Vermutlich gehört das Buch zu den Produktionen, die viel gekauft, aber weniger gelesen werden. Als Werk eines (für exakte Forschungen mit dem Nobelpreis bedachten) Molekularbiologen setzt es nämlich exakte, grundwissenschaftliche Lektürearbeit voraus. Dabei ist es durchaus an ein breiteres Publikum gerichtet, und es gelingt ihm sogar (beispielsweise), das Zweite Gesetz der Thermodynamik ebenso wie Aspekte der Stereochemie für das Verständnis des gemeinen, von seinem Schulwissen verlassenen und von der information explosion verwirrten Lesers didaktisch glänzend in einer Art Volkshochschulkurs aufzubereiten. In dieser Leistung steht es in der großen Tradition der französischen Aufklärung, übrigens auch in seiner Absicht, die darauf zielt, aus rational, an der Natur gewonnenem Wissen dem Menschen zur Freiheit von autoritärer Metaphysik zu verhelfen. In diesem Sinne erklärt sich Monod für Galilei und Descartes und gegen Hegel, für den Zweifel und die Analyse und gegen organizistische oder holistische Ideologeme, für das „Objektivitätspostulat“ und gegen einen die eigene Subjektivität in die Natur hinausverlagernden Anthropozentrismus.
Dabei legt er sich, außer mit den Religionen, mit dem historischen und dialektischen Materialismus an, seiner Auffassung nach einer animistischen Projektion, der er seinen eigenen Materialismus, eben den des Zufalls in der Grundvariation des Lebens, entgegenstellt. Das hat zu jener entflammten, aber nicht sehr gründlichen Kritik Harichs im Spiegel geführt, wo unter dem Titel „Alte Wahrheiten, neuer Bluff“ dem Autor marktgängige „Effekthascherei“ vorgeworfen wird und man den Eindruck erhält, daß der Rezensent böse sei, weil hier ein Einzelwissenschaftler den Philosophen ins Handwerk pfuscht (das tat übrigens ganz ähnlich Freud, als er über Die Zukunft einer Illusion schrieb), ohn