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Dem Autor geht es um eine ontologisch geprägte, gleichwohl konkrete medizinische Anthropologie, in der gesundes und krankes Verhalten als ein auf die Welt, den Menschen und die Gesellschaft bezogenes Sinnganzes erfaßt werden soll. Es ist wichtig, daß ein solches Werk gerade jetzt von einer Persönlichkeit geschrieben wurde, welche die Vielfalt psychologischen, psychopathologischen und philosophischen Wissens in sich vereint. In jüngster Zeit ist eine ganze Reihe von philosophischen und medizinischen Anthropologien erschienen — als sogenannte Sammelwerke, also von einem Herausgeber edierte Übersichten von Fachleuten. Was diesen fehlt, ist eine einheitliche, in sich geschlossene Konzeption, wie sie in dem Werk von Wyss vorliegt: eine Synthese der genetischen Entwicklungspsychologie mit den Ergebnissen der phänomenologisch-orientierten Gestaltspsychologie. Der Band gliedert sich in zwei Teile: eine allgemeine Psychologie und eine spezielle Psychopathologie. Entsprechend dem ontologisch orientierten Ansatz tragen die beiden Hauptteile die Überschriftten: „Die Verfassung von In-der-Welt-Sein“ und „Mißverhältnisse von Inder-Welt-Sein“.
Zum 1. Teil: Der Mensch ist — im Sinne der Existentialanthropologie — auf die Welt hin entworfen, als Entwurf zunächst unfertig, auf Zukunft hin orientiert. Dem Möglichen offen, wird er zu der Gestalt, die der zeitliche Ablauf seines Lebens nehmen wird. Die fundamentalen Weisen, mit denen sich das Subjekt auf die Welt hin entwirft, und andererseits die Welt auf das Subjekt zukommt, sind Zuwendung und Abwendung, d. h. Modi, in denen Antriebe wie Wünschen, Wollen, Fühlen, Denken vorgegeben sind und in denen sich das Subjekt zur Welt hin entwickelt. Dieses Fixieren, Festlegen, Teilhaben und Erkennen wird indes relativiert durch die rationale Welterfassung bzw. durch den Verlust der triebhaften Spontaneität im Aufbau der Handlung. Zeit und Konflikt werden als Bedingungen herausgearbeitet, welche die „Gestalt“ gefährden, indem sie diese verändern,