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Beginnt man mit der Lektüre beim Vorwort dieses Buches, so möchte man es fast wieder beiseite legen. „Ist die Liebe eine banale Gegebenheit, die sich von selbst versteht, oder ist sie von so zartem, geheimnisvollem, erhabenem Wesen, das es schon einen großen Dichter braucht, um ihm Ausdruck zu verleihen. Wir neigen letzterem zu“, schreibt der Verfasser. Man fragt sich, wie auf dem Hintergrund einer solchen Alternative eine Analyse von Konflikten möglich ist.
Aber der Inhalt bleibt erstaunlich frei von der im Vorwort anklingenden, weltanschaulichen Haltung, der das Vordringen wissenschaftlicher Erkenntnis in den Bereich intimer menschlicher Beziehungen als erneuter Sündenfall erscheint. Lemaire distanziert sich zwar auch im Laufe des Vorworts von den Tabus einer solchen Haltung, man stolpert dennoch über die vielen Rechtfertigungen.
Der Verfasser orientiert sich in der Darstellung der Konfliktquellen einmal an soziologischen Daten aus entsprechenden Untersuchungen. Zum anderen entnimmt er Beispiele aus den Erfahrungen seiner Praxis. Der Autor ist als Psychiater und Psychoanalytiker Präsident der Vereinigung der Eheberatungsstellen in Frankreich.
Ausgangspunkt ist eine skizzenartige Darstellung der Stellung eines Ehepaares in der gegenwärtigen kulturellen Umwelt. Besonders werden dabei Studien erwähnt, die die heutige, veränderte Stellung der Ehefrau zum Gegenstand haben, wie z. B. ihre Berufstätigkeit, Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz, Einstellungen zur Berufstätigkeit der Frau u. a. Es folgt ein etwas schematisierter Längsschnitt durch das Leben eines „durchschnittlichen“ Paares. Als Haupt-oder allgemeines Problem erscheint hier die wachsende, weil zunächst in den Hintergrund gedrängte Aggression. Abschirmung nach außen und die