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In einer erstaunlichen Einmannleistung hat der Autor als „interessierter Beobachter, verläßlicher Berichterstatter und redlicher Kritiker“ (Geleitwort, S. 2) zusammengetragen und durch einen räsonnablen Kommentar interpretiert, entlang welcher Ansätze und mit welchen Forschungsschwerpunkten sich das Selbstverständnis der russischen Psychologie von 1920 bis zum heutigen Tage artikuliert hat. Ihm — wie dem westlichen Leser — kommt dabei zugute, daß er die sowjetische Psychologie gleichsam von innen her kennt, angefangen mit einem Studium an der Universität Bukarest in den Jahren um 1950. Das ist wichtig, um die sowjetische Psychologie so zu begreifen, wie sie sich selbst versteht: nicht als empirische (positivistische) Einzelwissenschaft, sondern vom Totalitätsverständnis des dialektischen Materialismus her, der noch einmal die Einheit von Erkenntnistheorie und Ontologie herstellt, dabei radikal gegen andere philosophische Positionen Stellung beziehend: „idealistische“, „intellektualistische“, „vitalistische“, „mechanistische“, „objektivistische“, „subjektivistische“, „metaphysische“.
Die Psychologie hatte es in dem ideologischen Kampf freilich schwer: heute materialistisch, konnte sie morgen schon samt ihren Vertretern als revisionistisch verworfen werden. Von 1932 bis 1955 gab es überhaupt keine psychologische Fachzeitschrift! Der Tiefpunkt war 1950 erreicht, als Pawlows an sich verdienstvolle Forschungen dogmatisch auf das Konzept der „höheren Nerventätigkeit“ bezogen wurden und dieser dogmatische Kortikalismus zur Parteilinie erhoben wurde: Marx, Engels, Lenin, Stalin, Pawlow, das war die autoritative Reihe. Einzelnen Fachvertretern wie namentlich Kornilow („During his long career, he displayed the distinctive ability to adjust his thinking as the times changed“, S. 25) und selbst Rubinstein, der mal für, mal gegen Pawlow sprach, gelang jedoch die kontinuierliche Präsenz.
Solche menschlichen, allzumenschlichen Seiten des sowjetischen Wissenschaftsprozesses sollten j