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In den dreißiger Jahren hat Fromm mit seinem Versuch, Vermittlungsprozesse von Gesellschaft und Psyche zu fassen, die Diskussion des Verhältnisses von marxistischer Gesellschaftstheorie und Psychoanalyse mitausgelöst und wesentlich mitgetragen. Von seinen frühen Arbeiten zur Entwicklung einer analytischen Sozialpsychologie sind bedeutsame Anregungen ausgegangen.
Um so kritischer wird daher die große Wandlung vermerkt, die sich in Fromms Denken vollzogen hat. Mit Unverständnis hat man seinen Weg verfolgt und sieht allgemein den Wendepunkt in dem Buch „Psychoanalyse und Ethik“ . Doch immer schon war Fromm auf das einzelne Individuum und dessen durch die Psychoanalyse entdeckten Gesetze konzentriert und hat, darin Freud getreu, der in der Soziologie nichts anderes als angewandte Psychologie sah, Strukturprinzipien und Strukturgesetze der Gesellschaft auf psychologische Gesetze in den Individuen reduziert. Aber wenn auch in den frühen Schriften Fromms der Widerspruch zwischen psychoanalytischer und soziologischer Betrachtungsweise ungelöst blieb, so ist doch in seinen neueren Arbeiten ein gesellschaftstheoretischer und psychoanalytischer Substanzverlust nicht zu übersehen. Einen negativen Höhepunkt auf diesem Weg scheint dieses neueste Buch erreicht zu haben. Denn selten findet sich in Arbeiten mit theoretischem Anspruch ein derartiges Konglomerat von Nationalökonomie, verwässerter Psychoanalyse und Vulgärmarxismus — kulminierend in einem „radikalen Humanismus“.
Wo Fromm Gesellschaftskritik betreibt, da kann man noch folgen. Die am Scheideweg angelangte Menschheit ist dem Gespenst einer „völlig mechanisierten Gesellschaft“ ausgeliefert, wenn nicht alles für eine „Renaissance des Humanismus und der Hoffnung“ getan wird. Um die Gefahr abzuwenden, bedarf es der Kenntnis der Leitprinzipien des heutigen Systems. Nach Fromms Analyse ist das einmal die Maxime, daß alles technisch Mögliche auch getan werden müsse: die technische Entwicklung wird dadurch zum Fundament der Ethik. I