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In einer Zeit, in der Objektivierungen und unter diesen wieder solche, die Bestand haben, immer schwererfallen, ist Allports Monographie über Die Natur des Vorurteils, 1954 erschienen, immer noch ein Standardtext und einer vollständigen (gegenüber der gekürzten amerikanischen Paperback-Ausgabe von 1958) Übersetzung wert, da wirklich bis heute „keine derart umfassende Gesamtkonzeption wieder vorgelegt worden (ist), die das Werk Allports überholt hätte“ (S. 13, Anm.). Der Herausgeber hat diesen Umstand mit einem biographischen, auch auf das Studium Allports bei deutschen — später zur Hälfte ausgewanderten — Psychologen (im Berlin und Hamburg der zwanziger Jahre) zurückgehenden Nachwort gewürdigt, das die wissenschaftlich-ethische Grundhaltung Allports als eines „Humanisten unter den Psychologen“ hervortreten und seine Auseinandersetzung mit dem Vorurteil von diesen Grund-orientierungen her verstehen läßt.
Betrachtet man die Monographie zunächst unter dem Gesichtspunkt des „Standardtexts“ bzw. der Information, die dieser über das Wesen des Vorurteils vermittelt, so handelt es sich tatsächlich um eine Darstellung, die gewissermaßen als Survey so umfassend angelegt ist, daß keine der beteiligten Variablen vergessen scheint — in der Gliederung findet sich für jeden Aspekt ein Platz, darunter für die Ergebnisse empirischer Untersuchungen, desgleichen für zahlreiche dem Alltag und den Medien entnommene Exempel, die den Untersuchungsgegenstand von einem solchen der Wissenschaft zu einem der Umgangserfahrung und des praktischen Selbst machen sollen. Alles in allem gewinnt man den Eindruck einer synoptischen Darstellung des verfügbaren Wissens, die jedem Ansatz sein Recht und seinen Ort gibt und dabei eine Sequenz von der Gruppenpsychologie über die Kognitionspsychologie (verwandt derjenigen Bruners; es gibt auch bereits ein Kapitel über linguistische Faktoren des Vorurteils) zur Sozialpsychologie der Sozialstruktur und Interaktion, dann weiter über die Entwicklungspsychologie