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Gérard Mendel, der dem deutschen Leser durch seine zeitnahen sozial-psychologischen Studien auf psychoanalytischer Grundlage („Die Revolte gegen den Vater“ und „Die Generationskrise“) bekannt ist, stellt dieses Buch als eine Studie über den Ursprung autoritären und autoritätsabhängigen Verhaltens bzw. über Autorität schlechthin vor. Nach dem Abklingen der Studentenrevolte, die sich als antiautoritär verstand, und angesichts der zu beobachtenden tendenziellen
Stärkung autoritärer Verwaltung politischer und wirtschaftlicher Macht in Gesellschaften mit unterschiedlichen Strukturen erhält Mendels breit angelegte Untersuchung besonderes Gewicht.
Nach gutem französischen Brauch erfolgt zunächst eine semantische Aufgliederung des Begriffs Autorität und in einem weiteren Kapitel eine Bedeutungsanalyse des Phänomens Autorität, das „… in unserem Sinn ein archaisches, sozial-psychologisches Phänomen ist, das längst überholt sein könnte und sollte“. Mendel stellt vor allem das charismatische Element der Autorität heraus, das von denen, die über Macht verfügen, immer wieder benutzt wird, um diese zu festigen. Einen Informations- oder Erkenntnisvorsprung als Autorität zu bezeichnen, lehnt er ab, wie jede positive Bestimmung von Autorität überhaupt. Damit grenzt er sich von den klassischen Definitionen ab, die Autorität in positivem Sinn von Zwang unterscheiden.
Die Grunderfahrung für die Autoritätswilligkeit des Menschen ist die frühe Angst vor dem Verlassen- und Ausgestoßenwerden, die in ihren frühen, vorsprachlichen Wurzeln dem Bewußtsein später nicht mehr zugänglich ist. Die anfängliche reale psycho-biologische Hilflosigkeit des Menschen wird durch die verschiedenen Erziehungssysteme gefördert — noch in einem Alter, in dem sie faktisch nicht mehr existieren müßte, also anachronistisch geworden ist. Das ist die psychisch-affektive Komponente der Autorität. Als paradigmatisch für eine überflüssige Perpetuierung von Abhängigkeit sieht Mendel die früher in China herrschende Sitte a