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Der Fall „Schreber“, nämlich die „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ des einstigen königlich-sächsischen Senatspräsidenten Daniel Paul Schreber, in denen er die Erlebnisse seiner langjährigen Psychose subtil und ausführlich, skurril und faszinierend schildert, ist in die Geschichte der Psychiatrie eingegangen; es gibt wohl kaum sonst derartig sorgfältige Selbstdarstellungen intelligenter Geisteskranker. Wenigen Menschen ist die innere Beziehung des erwähnten Senatspräsidenten zu den „Schrebergärten“ bekannt, obwohl der Zusammenhang unabweisbar ist. Schrebers Selbstdarstellung wurde von Sigmund verwandt, um die Psychodynamik einer Psychose zu demonstrieren und darüber hinaus Hypothesen über die Gesetzmäßigkeit psychischer Abläufe bei Psychosen aufzustellen, die sowohl die Gemeinsamkeit mit den Neurosen, nämlich die unbewußten Phantasien, als auch das entscheidend Andere, nämlich den Verlust der Objektbeziehungen, betonen. Dieser verstehende Zugang bedeutet, daß der Kranke als leidender Mitmensch akzeptiert und nicht, wie die damalige Schulpsychiatrie es wollte, einer Spezies zugerechnet wurde, deren Hauptmerkmal die „Uneinfühlbarkeit“ sein sollte. Schon damit war der von Kahlbaum behaupteten „Hoffnungslosigkeit aller Psychologie“ widersprochen.
Freud hat allerdings nur bestimmte Aspekte der äußerst produktiven Wahnkrankheit Schrebers einer Analyse unterzogen; zahlreiche Inhalte seines psychotischen Erlebens blieben unerklärt. Hier ist es den langen, intensiven und detektivischingeniösen Forschungen Niederlands zu denken, daß der Wahrheitskern der wahnhaften Erlebnisse Schrebers zugänglich wurde. Hierzu waren detaillierte biographische Studien nicht nur über Daniel Paul Schreber, sondern ebenso über dessen Vater, den Orthopäden und Volkserzieher Daniel Gottlieb Moritz Schreber notwendig. Der Vater Schreber hatte sich mit eiserner Energie von einem kränklichen jungen zu einem erfolgreichen Mediziner, Lehrer des Volkes und tüchtigen Turner entwickelt, der hinfort a