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In zwei weit ausholenden Kapiteln stellt Carp die gegenwärtige Geschichte der Psychiatrie dar als eine Zwei-Einheit von Vergangenheit und Zukunft. Das hier angedeutete Denkmodell taucht in dem Buch immer wieder unter verschiedenen Bedingungen auf: in Synergismus und Antagonismus von „Biopsychiatrie“ und „Noopsychiatrie“, in den Beziehungen von Arzt und Patient, Objektivität und Subjektivität, Leib und Seele, Innen- und Außenwelt, Ich — Selbst und Ich — Du, Natur- und Geisteswissenschaft, Leben und Tod. „Die einfachste denkbare Einheit ist daher eine Zwei-Einheit“ (S. 148). „Es ist kein Bild, in dem Geborgenheit und Sicherheit einen zentralen Platz einnehmen“ (S. 157). Den Ursprung dieser wiederkehrenden Form sieht der Autor in der Fähigkeit des Menschen, „in einer einstweilen noch unvorstellbaren Weise an einer Selbstbildung teilzunehmen“ (S. 158), nämlich darin, „wie der menschliche Geist (das Ich) sich im eigenen Selbst einen ersten ‚Nächsten‘ erschafft, der fortlaufend Veränderungen erlebt“ (S. 124).
Carp scheint menschliche Existenz letzten Endes auf eine immer schon vorausgesetzte, mystische Potenz zu beziehen. Aus psychoanalytischer Blickrichtung liegt angesichts derartiger Hypothesen der Gedanke nahe, den Quellen des Narzißmus in der primären Beziehung nachzugehen mit der Frage, ob hier eine solche Dual-Union allererst wirkend erlebt werde, deren wiedererkennende Übersetzung in andere, mentale Bereiche unter den Rahmenbedingungen von Raum und Zeit mit und nach der gelungenen ödipalen Entwicklung möglich ist. Science-Fiction mittels einer Psychologie der Wissenschaften? Carp: „Eine Frage, die sich schwer beantworten läßt. Sie ist von unserem menschlichen Werturteil abhängig“ (S. 7).