You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die drei gewichtigen Bände mit Briefen C. G. Jungs enthalten eine Auswahl von rund tausend Dokumenten. Sie umfassen den Zeitraum von 1906 bis zu Jungs Tod. In der Mehrzahl handelt es sich, wie es in der editorischen Einleitung heißt, um sachlich-wissenschaftliche Briefe. Tatsächlich fehlen, bis auf wenige Beispiele, die persönlichen Briefe an die Familie, von deren Farbigkeit und deftigem Realismus die in Erinnerungen, Träume, Gedanken (Zürich und Stuttgart, 1967) früher veröffentlichten Briefe an Jungs Frau einen ersten Eindruck vermittelten. So ist zu vermuten, daß hinter dem offiziellen Bild, das bei der Lektüre der vorliegenden Bände entsteht, manche Facette des mehr alltäglichen Jung verborgen bleibt, obgleich gerade die späten Briefe der Sammlung anschaulich vergegenwärtigen, wie Jung in seinem Turmhaus in Bollingen, das er im Laufe vieler Jahre als eine zweite Haut, eine Art seltsamer Externalisierung seiner Innenwelt, um sich herumbaute, in knorziger Bäuerlichkeit das Feld bestellt, mauert, Holz hackt und kocht.
Wie die Vielfalt der erörterten Themen — von Okkultismus, Alchemie, fernöstlichen Religionslehren, über Frauenstimmrecht, fliegende Untertassen, Drogenkonsum bis hin zu Fragen ärztlicher Diagnose, psychotherapeutischer Behandlungstechnik und Ausbildung —, so ist auch der Adressatenkreis fast unübersehbar. Neben den Briefen an Patienten und zahllose nicht näher bekannte Ratsuchende stehen die Dokumente eines imponierenden, wahrlich enzyklopädischen Meinungsaustauschs mit bedeutenden Physikern, Ethnologen, Mythenforschern, Zoologen, Theologen, Parapsychologen usw. Obgleich Jung bis ins hohe Alter darüber klagte, sein Werk sei fast immer mißverstanden, kaum je angemessen gewürdigt worden, beweist seine weltweite Korrespondenz, daß das Konzept des „Archetypus“, wissenschaftlich wie immer anfechtbar, in den Zeitgenossen ganz verschiedener Disziplinen eine eigentümliche und mitunter kuriose Blüten treibende Faszination ausgelöst haben muß, eine Art Vorläufe