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Sein Arbeitszimmer schmückte er mit dem Bild „unseres einzigen Freud“1 (, II, 227)2. Aber so sehr er den „großen Erneuerer“ (, III, 848) verehrte, so sehr wandte er sich mit der ihm eigenen ironischen Aggressivität gegen die Adepten, die „Vulgärfreudianer“ mit ihrem „Kempinski-Freud“ (, II, 710) und deren „Patentrezepte“ (, II, 219). Was ärgerte ihn an den Freud-Schülern? Ihre „lächerliche Überschätzung der Sexualität“! (, I, 623/24). Sicher gab es (und gibt es noch) grobe und laute Übertreiber. (Zwei von ihnen, Sadger und Stekel, hat Freud selber von sich gewiesen, letzteren als „einen Fall von moralischem Schwachsinn“3.) Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß die Sexualität ein Hauptstück der psychoanalytischen Theorie ist, auf dessen Ausgrabung — aus dem Unbewußten der Patienten wie aus dem Lügendunkel der zeitgenössischen Gesellschaft — Freud und seine Schüler Jahrzehnte verwendet hatten. Meint Tucholskys Kritik hier nicht doch die Psychoanalyse selbst? Sieht man die Texte genau durch, wird deutlich, daß ihm so viel Sexualität zuviel war. Wenn er in dem Gedicht „Psychoanalyse“ (, II, 279/80) Worte wie „Analfunktion“, „Vorlust“ oder Anspielungen auf den männlichen und weiblichen Ödipuskomplex in lächerliche Verbindungen bringt („Jeder Jüngling von etwas guten Manieren geht heute mal Muttern deflorieren“), so trifft er damit die Sache, nicht ihre schlechten Schüler. Gleiches gilt für seinen Angriff auf die psychoanalytische Symbollehre („Keine Tischkante ohne Symbol und kein Loch … wie lange noch —?“) — einen der ersten großen Funde Freuds in der terra incognita des menschlichen Unbewußten. Man kann feststellen, daß Tucholsky insoweit die Psychoanalyse nicht verstanden hat; es handelt sich hier um eine persönliche Grenze. Den anderen