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Schon Sigmund Freud wußte, daß dem Künstler Einblicke in seelische Zusammenhänge gegeben sind, die sich der Wissenschaftler nur mühsam und schrittweise erarbeiten kann. Daher ist es für den Psychoanalytiker von größtem Wert, in einer biographischen Erzählung einen Bericht über die Psychose eines jungen Mädchens und deren Heilung mit vielen Kämpfen und dramatischen Rückfällen zu lesen. Zugleich ist das Buch ein Dokument für Pionierleistungen in der Psychotherapie der Psychosen, denn die so eindrucksvoll und schonungslos beschriebene Klinik ist offensichtlich Chestnut Lodge, und die kleine, unscheinbare Ärztin, die sich mit mutigem Engagement und analytischem Verstand mit dem gesunden Ich-Anteil der Kranken verbündet, Dr. Clara Fried, ist Frieda Fromm-Reichmann.
Wir lernen von jedem Patienten neue Möglichkeiten psychischer Entwicklung; jede einzelne Therapie fordert einen besonderen, individuellen Zugang. In diesem Buch wird die Erfahrung des Psychotherapeuten um die Dimension einer äußerst subtil und glaubwürdig nachgezeichneten Psychose bereichert, ohne Beschönigung, ohne gängige Schemata, aber —- und das scheint mir das Wichtigste —- selbst die bizarrsten und abstoßendsten Phänomene des Wahnsinns werden immer als verstehbar dargestellt und damit zu einer Möglichkeit menschlicher Existenz. Man erkennt so die psychotischen Symptome als großartige Abwehrformationen gegen totale Hoffnungslosigkeit und Vereinsamung, dabei voller schöpferischer Potenz.
Dieses Buch gibt keine billigen genetischen Klischees wie das der „schizo-phrenogenen Mutter“. Im Gegenteil werden die Angehörigen Deborahs, der Heldin dieses Buches, verständnisvoll als in ihren eigenen Schicksalen befangene Menschen gezeichnet, die trotz allem Mißverstehen nicht ohne Liebe waren. Den Angehörigen die Traumen, die sie einem mit ihren Fehlern und Begrenzungen zugefügt haben, innerlich verzeihen zu können, ist immer, auch hier, ein wichtiger Teil des Gesundungsprozesses, weil dadurch die verfolgenden Objekte d