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„Für das Gespräch zwischen Ethik und Tiefenpsychologie fehlt die Grundlage, solange in diesem Gespräch niemand weiß, was Ethik überhaupt ist. Es scheint also am besten, Psychologie zur reinen Wissenschaft zu erklären, welche von weltanschaulichen Fragen nicht berührt wird. Da aber Psychotherapie einen tiefen und schwerwiegenden Eingriff in die Person bedeuten kann, ist es klar, daß eine solche Einschränkung nur den Charakter einer definitorischen Notlösung
hat … Der Begriff der ‚wertfreien Wissenschaft‘ ist ein Unbegriff, nur zu verstehen als Konsequenz einer Ethik, deren Definitionen ihre Verbindlichkeit verloren haben…“
Einen Ausweg aus dieser Situation böte ein neuer Begriff der Ethik. Diesen erkennt der Verfasser in der politischen Philosophie von Hans Barth, der Ethik als die Lehre von den zwischenmenschlichen Konflikten definiert. „Man braucht nur die Ergänzung: —- und den innermenschlichen Konflikt. Die psychoanalytische Neurosenlehre ist eine Lehre von verinnerlichten, ursprünglich aber zwischenmenschlichen Konflikten. Mit einer Ethik, welche sich als Konfliktlehre auffaßt, wurde ein brauchbarer Begriff gefunden. Der Mensch steht in Konflikten. Der Mensch in Konflikten ist der Mensch, welcher Gut und Böse hinter sich gelassen hat: er verleugnet den Konflikt ja nicht mehr durch Projektion. Ethik ohne Gut und Böse ist die Lehre vom konflikthaften Menschen in seinen Konflikten…. Psychoanalyse ist Kritik, freundschaftliche Kritik. Kritik setzt die Fähigkeit und die Bereitschaft voraus, Konflikte anzunehmen und sie zu prüfen.“
Der Autor findet „die Berechtigung seiner Untersuchung darin, daß am Anfang der Psychoanalyse nicht eine wissenschaftliche Entdeckung stand, sondern eine Tat moralischen Mutes. Psychoanalytiker bzw. Tiefenpsychologe oder Psychotherapeut ist nicht der, der über ein besonderes spezifisches Wissen verfügt, sondern der, der moralischen Mut hat … Die Leistung Freuds bestand darin, daß er, was er dachte, sagte, während andere es zwar dachten, abe