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In „Zur Rolle des Psychoanalytikers in psychotherapeutischen Interaktionen“ (Psyche 5, ) beschrieb Helmut Thomä einen Patienten, der unter der überwältigenden Angst vor unmittelbarem Erleben litt. Erst nach vier Behandlungsjahren wurde ihm klar, daß er die Ängste des Patienten erwidert und vielleicht zu ihrer Aufrechterhaltung beigetragen hatte, indem er sehr häufig seine Deutungen in einer konditionalen Form gab.
Man könnte denken — und vielleicht dachte Thomä das auch —, daß dieses unbewußte Einverständnis mit der Neurose des Patienten ein Fehler gewesen sei. Wenn wir jedoch nicht mit den Gefühlen unserer Patienten sympathisieren, sie auch nicht mit ihnen teilen und die stabilisierenden Wirkungen der frühen Lösung ihrer Probleme nicht berücksichtigen, auf die sie ihre Charaktere und Ideale ebenso wie ihre Neurosen gegründet haben, dann wird uns eine relativ untraumatische Arbeit mit ihnen nicht möglich sein, von der ein verläßlicher Erfolg abhängig ist. Wir könnten hingegen in der einen oder anderen Weise versucht sein, den Patienten anzugreifen und darauf hinzuarbeiten, bleibende Charakterzüge hinwegzuanalysieren, die der Patient noch lange nach Beendigung der Analyse behalten und schätzen wird. Professor Thomäs Erkenntnis, daß er zu viel Rücksichtnahme auf die Neurose seines Patienten gezeigt hatte — oder was wahrscheinlicher ist: auf seine charakteristischen Abwehrformen —, indiziert, daß die Therapie langsamer — zumindest theoretisch gesehen — als im Idealfall fortschritt. Aber eine derartige Erkenntnis stellt sich beim Analytiker oft gerade dann ein, wenn er realisiert, daß der Patient nicht länger einer so behutsamen Behandlung bedarf. Ich möchte hierin ein Beispiel für den normalen Prozeß unbewußter Interaktion sehen, auf der eine erfolgreiche Analyse beruht.
Ich meine aber auch, daß dieses Beispiel Probleme auf längere Sicht aufwirft. Was bewirkt in uns im Laufe der Jahre dieses ununterbrochene Durchdrungenwerden von den Charakteren unserer Patienten? Inwiew