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Im neuen Jahrbuch dominiert das Interesse an der Geschichtlichkeit der Psychoanalyse. Die historisch-kritische Detailarbeit am Quellenmaterial (Eissler, Hermann, Vogel), prinzipielle Überlegungen zur Geschichtsschreibung der Psychoanalyse überhaupt (Federn), die kurze Analyse von Differenzen in der Interpretation von Ferenczis Krankheit (Hermann), sowie die freskoartigen,
aus einem weiten Wissenshorizont stammenden Reflexionen Eisslers über die Gestalt Freuds bilden Vorarbeiten für eine Darstellung der Geschichte der Psychoanalyse.
Schnelle Ergebnisse in dieser Richtung sind freilich nicht zu erwarten. Der einleitende Aufsatz von Ernst Federn „Einige Bemerkungen über die Schwierigkeiten, eine Geschichte der Psychoanalyse zu schreiben“ rückt optimistische Erwartungen zurecht. Mangel an Objektivität und Einfühlungsvermögen, mutwillige Verdrehung, Fehlen von fundierten Kenntnissen in psychoanalytischer Theorie und Praxis: Es ist beeindruckend und betrüblich zugleich, zu sehen, welche Hindernisse einer gerechten Würdigung im Wege stehen. Obgleich Federn die Notwendigkeit einer geschichtlichen Darstellung betont, rechnet er in den nächsten 25 Jahren (!) nicht mit einem befriedigenden Resultat. Welche Kärrnerarbeit zu leisten ist, um auch nur ein Faktum in historischer Treue zu rekonstruieren, zeigt der Beitrag von Kurt R. Eissler „Ein zusätzliches Dokument zur Geschichte von Freuds Professur“. Eissler, der schon 1966 in seinem Buch „Sigmund Freud und die Wiener Universität“ (Huber Verlag) minutiös die Entstellungen des Forscherpaares Gicklhorn in der Frage von Freuds akademischer Karriere zurückgewiesen hatte, ist wie kein anderer berufen, die verwickelten Ereignisse nachzuzeichnen, die schließlich durch Vermittlung einer einflußreichen Patientin doch noch zu Freuds Ernennung zum außerordentlichen Professor führten. Eine solche Protektion war damals normal, wenngleich Freud sich später diesen Schritt wohl nie ganz verziehen hat. Die Behandlung scheiterte natürlich. Nur