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Karl Menningers bekanntes Buch „Man Against Himself“ erschien bereits 1938 und wurde erst jetzt, 36 Jahre später, ins Deutsche übersetzt — eine bemerkenswerte Tatsache. Schließlich war es nicht unbekannt, daß das Buch für seine Thematik ein Klassiker ist. In der von Hilde Weller hervorragend besorgten Übersetzung wird es jedem Leser sofort deutlich, daß es kaum ein Buch zu diesem Thema gibt, das so umfassend informiert und das Phänomen der Selbstzerstörung bis in seine verborgensten Winkel aufdeckt. Der Autor besitzt die besondere Fähigkeit, vielseitiges Material zusammenzustellen, es in lebendige Anschauung umzusetzen und in einer erzählenden Form mitzuteilen, in der die ganze klinische Erfahrung eines Psychiaters und Psychoanalytikers mitschwingt. Das Buch verkörpert damit einen Höhepunkt der psychoanalytischen Forschung der dreißiger Jahre.
Das psychoanalytische Verständnis des Selbstmordes beruht auf dem Konzept der Libidotheorie, nach der die beiden Grundtriebe Aggression und Libido (Eros und Thanatos — Lebenstrieb und Todestrieb) die entscheidende Motivation für den Selbstmord bilden, je nach ihren Mischungs-, Entmischungs- und Neutralisierungsverhältnissen, je nach ihren destruktiven und konstruktiven Tendenzen. Es ist erstaunlich, wie ein Sachkundiger mit einer solchen Konzeption die Phänomene des Selbstmordes, des chronischen Selbstmordes, des fokalen Selbstmordes (Selbstverstümmelung) und des organischen Selbstmordes (organisches Krankheitsleiden) aufklären und verständlich machen kann. Demgegenüber bleibt die an mehreren Stellen angesprochene narzißtische Komponente als theoretische Grundlage im Schatten. Ich führe Beispiele an, um zu zeigen, daß diese Seite des Selbstmordes durchaus gesehen, aber nicht als ein entscheidender Faktor ins Konzept aufgenommen wurde — im Gegensatz zu dem Buch von Henseler, das den Narzißmus in den Vordergrund des Selbstmordverständnisses stellt: „Werden solche Phantasien einer psychoanalytischen Prüfung unterzogen, dann schein