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Als mich die Redaktion der Psyche beauftragte, Stierlins Buch über Adolf Hitler zu besprechen, zögerte ich zuzusagen. Ich wußte zwar noch nicht, daß „bereits mehr als 50 000 seriöse Arbeiten“ über Hitler existieren, wie in der Einleitung vermerkt ist. Aber ich meinte, daß jedes psychologische Buch über den „Führer“ zu viel wäre. Das Wesentliche am deutschen Nationalsozialismus, seine historischpolitische Dimension, würde unweigerlich in den Hintergrund gedrängt, wenn ein Autor den Menschen Adolf Hitler zum Gegenstand seiner Studie machte. Unbewußt und gegen seinen Willen, spät und viel leiser, würde der Autor die gewaltige Mystifikation wiederholen, die mit Hitlers „Mein Kampf“ ihren Anfang nahm, der Nationalsozialismus sei das Werk eines Mannes oder gar der deutschen Seele und nicht das Ergebnis ökonomisch-politischer Machtkämpfe. In einer Zeit, dreißig Jahre nach Hitlers Tod, in der alte und neue „Faschismen“ drohen, schien es mir — ein Gleichnis Freuds abwandelnd —, der Psychologe könnte nicht anders, als die ausgebrannte Lampe aus dem brennenden Haus holen, das sie in Brand gesteckt hat, und würde forschend über die Lampe gebeugt, Brand und Brandstifter aus den Augen verlieren.
Für den Historiker sollte es selbstverständlich sein, sein Studienobjekt als unbewußtes Werkzeug geschichtlich wirksamer Kräfte zu begreifen, eine Aufgabe, die sich um so dringlicher stellt, je mehr sich die historische Person in den Blickpunkt gerückt hat, je mehr es ihr gelungen ist, den Sinn des politischen Geschehens durch ihre eigene Deutung der Geschichte (an die sie in ihrem subjektiven Bewußtsein glaubt!) zu entstellen und ihm damit ihre persönliche Form und Gestalt zu geben.
Ich fürchtete, der Psychoanalytiker habe kein Instrument zur Verfügung, eine dementsprechende Aufklärung zu leisten. Unweigerlich müßte das Ergebnis seiner Studien den Menschen Adolf Hitler als Werkzeug unbewußter Seelenkräfte darstellen, die handelnde Person aus der Gesellschaft, in der sie handelt, an der sie