You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Parin stellt die von ihm und anderen entwickelte „vergleichende Psychoanalyse“ („Ethnopsychoanalyse“) vor, die darauf abzielt, durch interkulturellen Vergleich die von der klassischen Psychoanalyse naiv als konstant angesetzte soziale Realität, die Matrix der Familienstrukturen und Traditionen, in ihrer Dynamik sehen zu lernen und sie in der Genese psychischer Konflikte und Konfliktlösungen angemessen zu berücksichtigen. Gegenüber idealistischen Konzeptionen, die alles von einem bloß psychologischen Wandel erwarten, wie gegenüber der herrschenden (soziologistischen) Sozialisationstheorie, die sozialen Wandel nicht erklären kann, weil sie den sozialen status quo ebenso statisch ansetzt wie sie ihm die Macht zubilligt, jederzeit systemkonforme Charakterstrukturen zu erzeugen, pointiert er die Auswirkungen von Variationen sozialer „Gegebenheiten“ — Änderungen der Produktionsweise oder politische Kämpfe. Für derartige Änderungen des sozialen Lebensmilieus, die spezifische Änderungen im seelischen Haushalt der betroffenen Individuen ermöglichen oder fordern, gibt er eindrückliche Beispiele.