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„Veränderung“ war das — nach Pearl (London), dem Chairman des Programmkomitees, bisher auf internationaler Ebene nicht genügend diskutierte — Thema des diesjährigen internationalen Kongresses. Seit Freuds Aufenthalt in London in den Jahren 1938/39 und dem letzten dort stattgefundenen internationalen Kongreß von 1953 hat sich in der Tat vieles geändert und gewandelt. Nicht nur die Struktur und Atmosphäre des Kongresses selbst: Fühlte man sich damals eher wie eine große Familie, die zusammenkam, um über einzelne innerpsychoanalytische Probleme zu diskutieren, so waren es diesmal ca. 1500 Besucher — davon ca. 1000 Analytiker, unter ihnen leider nur wenige aus Deutschland —, und man hatte sich zum ersten Mal ein Gesamtthema gewählt, das teilweise psychoanalytischen Boden verließ. Das bedeutet, man ging vom dogmatischen Ansatz zum zetetisch-kritischen über, zur Geschichte mit ihren Dimensionen Vergangenheit und Zukunft, zur Gesellschaft. Aber auch am gesellschaftlichen Rahmen wie an der Psychoanalyse selbst haben sich Änderungen und Wandlungen vollzogen, z. B. ihre enorme quantitative Ausdehnung über die ganze Welt, die Vielfalt und Erweiterung der von der Psychoanalyse abgeleiteten therapeutischen Verfahren, ihre theoretische Erweiterung in die Tiefe und die Breite und die Wandlungen der psychoanalytischen Praxis und Erfahrungen.
Gleich am ersten Tag wurde uns demonstriert, daß es keine einheitliche Familie mehr gibt. Wohlgeplant stellte man bereits am ersten Tag die bestmöglichen Antithesen in einem „dramatischen und aufregenden Austausch“ (Weinshel, San Francisco) einander gegenüber, nämlich Rangell (Los Angeles) und Green (Paris)1. Rangell war aufgefordert worden, „die ‚klassische‘ Meinung über Wandlungen in der Psychoanalyse vorzutragen und zu repräsentieren“. Er sah offenbar das Erbe Freuds in Gefahr und verteidigte es mit Sätzen wie: „Die Angst bildet noch immer den Kern der Neurose und motiviert die Abwehr. — Der Inhalt der Konflikte hat