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Produkte der Kunst und Wissenschaft sind trügerisch. Sie erscheinen, zumindest äußerlich, als abgeschlossene autonome Gebilde. Ob Gedicht, Mythos, Epos oder Theorie — das Zeichengebäude (aus Buchstaben oder Materialien) hat etwas Unnahbares, Heroisches an sich. Dem ist nur durch Rekonstruktion und Aufarbeitung zu begegnen. Dies ist auch immer ein Nachvollzug der vom Autor geleisteten Arbeit, denn Produkte der Kunst und Wissenschaft sind geworden, gemacht. Sie sind Ergebnis eines geschichtlichen Prozesses und einer individuellen Entwicklung. Dies zu berücksichtigen, ist die Voraussetzung für Sehen und Einsicht. Der Nimbus der menschlichen Schöpfungen wird nur so auf das reale Maß gebracht.
Lévi-Strauss' Werk ist nicht der unbezwingbare Felsen, naturhaft; es ist vielmehr das Netz aus Spuren eines langen Weges durch die Welt alter Kulturen. Dieses gilt es gleichermaßen für den Anthropologen, Archäologen und Ethnographen, in Literatur und in Archiven, in Bibliotheken und Museen aufzuspüren, und sie zu suchen, wo sie noch im Leben der sog. primitiven Völker erhalten sind.
Lévi-Strauss' Werk ist Ergebnis eines Denk- und Erfahrungsprozesses und was daran am Ende abstrakt und unverständlich scheinen mag, wird insgesamt konkret und faßbar im Nachvollzug seiner Entdeckungen. Man kann nicht erwarten, daß einem die „Strukturale Anthropologie“ gleichsam blitzartig einleuchtet und fortan handhabbar ist. Die „Strukturale Anthropologie“ — sozusagen der Marktwert und das Markenzeichen im Kulturbetrieb — und die „Mythologiques“ — das Standardwerk zukünftiger strukturalistischer Analytiker — sind der äußerste Punkt eines auf einen bestimmten Weg gekommenen Denkens. Dessen Konsequenz und Wahrheit ebenso wie dessen Begrenztheit zu zeigen, ist Ziel dieser Überlegungen.
Man könnte sagen: einmal vom Weg der „Geradehin-Einstellung“ abgekommen, einmal vom Reden zum Denken verführt, ist man schon dem