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Die analytische Kindertherapie hat sich im Vergleich zu anderen aus der Standardmethode abgeleiteten Behandlungsverfahren, etwa der analytischen Gruppentherapie, relativ früh entwickelt. Doch trotz ihrer grofßen praktischen Bedeutung erscheint der Niederschlag, den die Theorie und Praxis dieser Behandlungsmethode in der Literatur findet, vergleichsweise gering. Die schreibenden Kinderanalytiker sind auch nicht gerade als Vorreiter auf dem Gebiet theoretischer oder behandlungstechnischer Neuerungen hervorgetreten. Selbst diejenigen tiefenpsychologischen Schulen, die sich von Freud distanziert haben, werden mit der Ausnahme Melanie Kleins nicht von Kinderanalytikern repräsentiert; dabei hätte sich doch der Versuch angeboten, die aus der Analyse Erwachsener durch Rückinterpretation mühsam erschlossene kindliche Entwicklung durch direkte Beobachtung zu widerlegen. Sieht man die Literatur über die Kinderanalyse durch, so wird die Bemühung deutlich, die eigene Legitimität nachzuweisen. Die frühen Behandlungsgrundsätze Anna Freuds laufen darauf hinaus, das Kind durch eine Reihe von Maßnahmen auf die eigentliche Analyse erst vorzubereiten, die dann die Analyse Erwachsener möglichst getreu nachahmen sollte. Selbst die Neuerungen, die sich in der Analyse Erwachsener eingebürgert haben, finden immer erst verzögert Eingang in die Kinderanalyse. In den fünfziger Jahren beginnt eine Entwicklung zur Eigenständigkeit dieses Faches, vor allem in England und den USA. So findet sich in der hier rezensierten Literaturauswahl kaum ein in deutscher Sprache geschriebenes Werk. Ein kritischer Hinweis auf die Politik der einschlägigen Verlage sei hier vermerkt, die zum Teil wichtige Literatur erst dann in deutscher Übersetzung erscheinen lassen, wenn sie veraltet ist.
Die Entwicklungen, die wir anhand der vorgelegten Literatur nachzeichnen wollen, sollen unter den folgenden Leitgedanken untersucht werden:
Wie ändert sich innerhalb der psychoanalytischen Theorie das Verständnis der krankmachen