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Als ich „Analytiker in Ausbildung“ war, mußte ich außer Freuds Werken natürlich auch neuere Fachliteratur lesen. Mußte, sage ich, denn ich tat es — mit wenigen Ausnahmen — nicht gerne. Mir gefiel der Ton, der Stil nicht, in dem diese Arbeiten geschrieben waren. Ich mokierte mich oft über die Sprache dieser Texte. Wenn ich aber mit Studienkollegen darüber sprach, fand ich kein Verständnis. Einer sagte, mir liege offenbar das Wissenschaftliche nicht besonders. Das traf.
Ich begann dann mit der Zeit doch ernsthaft zu lesen und mich — nicht ohne Mühe — in die vielen Arbeiten zu vertiefen, die man eben zu kennen hatte. Meinen Widerwillen gegen den üblichen Stil tadelte ich nun selbst als infantile Bequemlichkeit, die überwunden werden mußte. Ich merkte auch, daß das unsympathische Sprachgewand gelegentlich wichtige Inhalte barg. Der Stil, der Jargon wurde mir geläufig.
Es kam zuletzt so weit, daß ich oft selbst im Jargon zu sprechen begann, was mir in Kontrollanalysen erste Erlebnisse des nicht mehr sofort Verstandenwerdens bescherte. Nun war ich zweifellos im Begriff, ein Fachmann zu werden. Hier wurde ich dann allerdings stutzig. Das Sprachproblem begann mich wieder zu beschäftigen:
Zwei Menschen, die miteinander sprechen, haben eine bestimmte affektive Beziehung; bestimmte Übertragungen werden gegenseitig wirksam und spürbar, ob sie es realisieren oder nicht. Ich behaupte nun, daß auch einer, der schreibt, eine bestimmte unausgesprochene Einstellung, Übertragung zu seinem potentiellen Leser hat. Sie dürfte dem Schreiber oft unbewußt sein.
Wie läßt sich nun feststellen, was für eine Übertragung auf den Leser in einem Text steckt? Ich meine, es ist nicht viel anders, als wenn man einem wirklichen Dialogpartner gegenübersteht. Man achtet darauf, wie der andere auf einen wirkt, als was er einen anspricht, zu welcher Person er einen machen will, in welche Rolle man sich gedrängt fühlt.
Zwei extreme Beispiele aus der deutschen Literatur: Wenn Sie einen Text von Eichendorff lesen