You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dies ist die Beschreibung des kühnen und tragischen Lebens eines Mannes, dessen „Spur … nicht in Äonen untergeht“ — dessen manichäische Visionen noch heute eine starke Anziehungskraft ausüben, besonders auf solche, die die prekäre Kultureignung des Menschen radikal verbessern wollen. Die Biographie ist natürlich subjektiv; Ilse Ollendorff war Reichs Frau von 1939 an, Mutter seines 1944 geborenen Sohnes, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sekretärin, bis Reichs Persönlichkeitsveränderung 1954 eine Trennung erzwang, obwohl er gerade in diesem Lebensabschnitt besonders einer Gefährtin bedurft hätte. Auch das Vorwort von A. S. Neill und einige von ihm wiedergegebene Briefe an Reich sind sehr beteiligte Äußerungen eines Freundes. Wer über die Schwierigkeiten biographischer Forschung je nachgedacht hat, kann gerade die Aussage dieses Buches wegen der aufrichtigen Bemühung würdigen, trotz mancher verständlicher Kritik der faszinierenden und bedrängenden Persönlichkeit Wilhelm Reichs nicht nur gerecht zu werden, sondern ihm loyal zu bleiben.
Von besonderem Interesse für die Leser der Psyche ist natürlich die Beziehung Reichs zur Psychoanalyse, über deren Horizont er zunächst wie ein Komet aufging. 1919, mit 22 Jahren, zeigte er „soviel Interessse und Energie für die damals noch ziemlich neuen und revolutionären Ideen der Psychoanalyse, daß man ihm noch als medizinischen Studenten erlaubte, der Wiener psychoanalytischen Gesellschaft beizutreten“ (S. 28). (Die deutsche Übersetzung, von der Verfasserin selbst besorgt, läßt nicht vergessen, daß das Original auf englisch erschienen ist.) 1922 wurde Reich „Erster Klinischer Assistent“ der Wiener psychoanalytischen Poliklinik; von 1928 an war er deren Vizedirektor, bis er 1930 Wien verließ. Außerdem war Reich von 1924 bis 1930 „Direktor des Seminars für psychoanalytische Therapie“ am Wiener Ausbildungsinstitut. 1928 veröffentlichte er eine richtungweisende Arbeit „Über Charakteranalyse“. 1921 heiratete er; seine Frau Annie Reich w