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Bereits im Jahre 1966 erschien in der Psyche (XX, 153 ff.) eine Besprechung der französischen Originalausgabe des obigen Bandes (durch G. Pankow). Damals schrieb die Referentin: „Dieses Buch füllt im klassischen psychoanalytischen Schrifttum eine seit 30 Jahren bestehende Lücke aus“ (S. 153), und: „Ein wertvolles Buch, dem eine baldige, gute deutsche Übersetzung zu wünschen ist“ (S. 155).
Man kann darüber spekulieren, ob es des Jahres der Frau bedurft hat, um dieses Buch nach zehn Jahren in einem deutschen Verlag herauszubringen; aus Gesprächen mit psychoanalytischen Klinikern weiß ich allerdings, daß dieses Buch lange erwartet und mit großem Interesse aufgenommen wurde.
Zur Überfälligkeit des Themas und zu den zahlreichen Gründen und Widerständen gegen eine nicht männlich zentrierte Auseinandersetzung mit der weiblichen Sexualität, die immer eine Residualkategorie blieb, nimmt die Herausgeberin in den „Vorbemerkungen“ Stellung. Das Konzept der Autorin baut folgerichtig darauf auf, sich den Problemen der weiblichen Sexualität „auf dem direkten Weg“ zu stellen: „Die große Mehrheit der psychoanalytischen Untersuchungen über Triebbewegung und Ich-Entwicklung geht primär von der Entwicklung des Mannes aus und versucht dann, in einem zweiten Schritt die gewonnenen Resultate auf die Frau anzuwenden und sie in entsprechender Weise anzugleichen“ (C. J. Luquet, S. 67).
Janine Chasseguet-Smirgel betont, daß auch ein ausgebildeter Analytiker sich beim Einschlagen dieses direkten Wegs quasi selbst in Frage stellt: „Er ist gezwungen, bestimmte externe und interne Schwierigkeiten auf sich zu nehmen — ein Risiko, das die Generation der zwanziger und dreißiger Jahre, der Jugendphase der psychoanalytischen Bewegung, ohne Zögern eingegangen ist“ (S. 9). Dies ist letzten Endes gleichbedeutend mit der Einsicht, daß auch die Lehranalyse den (männlichen wie weiblichen) Analytiker in seinem Weiblichkeits-Männlichkeits-Vorurteil beläßt — wenn auch u. U. in abgemildeter Form.
Chasseguet-Smirgel