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Der Einband des Buches von Martin Grotjahn über die Stimme des Symbols enthält die Darstellung eines Details des berühmten Triptychons von Hieronymus Bosch, dessen Mittelteil von kirchlicher Seite als „Garten der Lüste“ bezeichnet wurde. In einem Kapitel über „Das Symbol in der christlichen Kunst des Mittelalters“ sucht Grotjahn nach der kryptographischen Botschaft dieses
Werkes, bei dessen Deutung er sich schließlich ganz an Wilhelm Fraengers Arbeit über „Das Tausendjährige Reich“ anlehnt, nach dessen Auffassung wir vor der Wiedergabe des Paradieses stehen, wie es zur Zeit Adams war, und wie es einmal sein wird im Reiche des neuen Adams, d. h. im Millenium, das vom unschuldigen Geist der Liebe regiert wird. Daß die gelehrte These Fraengers, die voraussetzt, daß Bosch oder sein Auftraggeber einer adamitischen Sekte angehörte, lebhafte Einwände hervorgerufen hat, schränkt die optimistische Selbstgewißheit nicht ein, mit der Grotjahn im „Millenium“ des Hieronymus Bosch frühe Spuren der Utopie einer nichtrepressiven Kultur entdeckt. In dieser Sicht wird Bosch weniger zu einem Vorläufer des Surrealismus als vielmehr der Auslegung Freuds durch Marcuse. Eine vergleichbare Idiosynkrasie gegenüber konventionellen Vorstellungen ist in allen lose aneinandergereihten zehn Kapiteln wiederzufinden. Ganz in diesem Sinne imponiert Grotjahns Parteilichkeit für Herbert Marcuses Formulierungen der Modalitäten einer Vermeidung des Ödipuskomplexes, die schon in seiner Rezension von „Eros and Civilisation“ 1965 (The Psychoanalytic Quarterly, Vol. XXV) Aufmerksamkeit verdient hatte; er schreibt nunmehr: „The man of the future will live beyond mother and father“ (S. 167).
Vor allem unter dem Titel „Vom Zeitalter der Angst zum Jahrtausend der Meisterschaft“ entwickelt Grotjahn sehr anregende futurologische Phantasien über verschiedene Familienformen, die sowohl für Monogamie als auch für eine konsekutive Polygamie Raum lassen. Eine Entsprechung dazu ist Grotjahns Prognose, die Psychoanaly