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Die psychoanalytische Religionspsychologie scheint in jüngster Zeit neue Impulse zu erhalten. Damit tritt aufs neue ins Bewußtsein, daß es innerhalb der psychoanalytischen Bewegung, vor allem in den zwanziger bis fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts (seit 1933 ausschließlich in den USA) eine ganze Literaturgattung gegeben hat, die sich mit der psychoanalytischen Interpretation religiöser Phänomene beschäftigte. Eine erste Bibliographie von etwa 250 Titeln, die diesem Sammelband beigegeben ist und die in keiner Weise Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, läßt immerhin den Umfang und die Weite dieses psychoanalytischen Forschungszweiges ahnen. Obwohl der Band vom Herausgeber sachkundig eingeleitet und kommentiert ist, dürfte er den unbefangenen Leser doch recht verwirren, da es nur mühsam gelingt, die außerordentlich heterogenen Beiträge einheitlichen und übersichtlichen Leitgedanken unterzuordnen. Das geschickte Gliederungsprinzip des Herausgebers, das so etwas wie ein Programm für eine psychoanalytische Religionspsychologie darstellt — (1. Psychoanalytische Hermeneutik, 2. Sexual- und Traumsymbolik, 3. Der Vater, der Sohn und die Söhne, 4. Die Suche nach der Mutter, 5. Verdrängung und Projektion, 6. Biblische Erzählung und Ethnologie) —, wird durch die unterschiedliche Qualität der Beiträge nicht wirklich ausgefüllt. Neben „klassischen“ Texten von Freud, Abraham und Jones stehen ausgesprochen sekundäre Arbeiten wie die von Levy, König, Lorenz. Der Spannungsbogen reicht von Aufsätzen der frühen Psychoanalyse (Reik, Niederland, Arlow, Tarachow) bis zu späten Arbeiten der Jung-Schule (Jung, Cox), von Autoren, die stärker in der jüdischen Tradition stehen (Fodor, Rosenzweig, Laughlin), bis zu evangelischen Theologen, die zugleich Psychoanalytiker sind (Harsch, Scharfenberg). Die stärker an soziologischen Zusammenhängen interessierten Leser seien auf die Arbeiten von Bakan, Fromm und Roheim verwiesen.