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„Wenn ich manchmal spazierengehe, blicke ich auf den unendlichen Raum, über den sich die Irrenanstalt erstreckt. Man sagt, von Ferne sehe sie aus wie eine der größten Städte Italiens … Wenn mein Leben immerfort in Elend und Unglück verlaufen soll, so will ich, obwohl noch jung, lieber sterben … Ist es mein kleines Gehirn, das mich so unausgeglichen macht, daß ich nicht weiß, in welcher Welt ich lebe, ob ich in Arezzo, Rom oder Florenz bin; ich weiß es nicht, ob dies das Paradies ist, daß ich nie werde erfahren können, in welcher Welt ich lebe, ob sie mich ins Gefängnis, zur Folter, an den Galgen bringen …“
Dies ist der (nicht vereinzelte) Kommentar einer Patientin, mit dem sie versucht, noch eine letzte Spur von Verbindung nach draußen zu retten. Sie schrieb diese verzweifelten Sätze 1914 aus der Anstalt in Arezzo in Italien. Die Patientin, damals 27 Jahre, heute 87 Jahre alt, lebt noch immer hier — gleichsam die mahnende und erschreckende Erinnerung an die total-einschließende, halb-mörderische Institution Irrenhaus, an eine inhumane Praxis.
Heute versucht man in dieser Heilanstalt — „I tetti rossi“, die roten Dächer, wie sie so lieblich im Volksmund heißt —, solch skandalöse „Insassenkarrieren“ zu verhindern, die Geisteskranken nicht aus dem Leben und der Gesellschaft auszuschließen, die Patienten als Gesprächspartner und Mitmenschen zu akzeptieren. Diese Frau schrieb weiter: „Verberget mir das Geheimnis nicht, das mich so sehr quält … Aber ich hoffe, wünsche es aus tiefem Herzen, daß alles ein Trug, ein Traum sei.“
Es war Wirklichkeit, aber hergestellte und in den langen Jahren verfestigte Wirklichkeit — heute unabänderlich. Die Ausweglosigkeit, das Grauen, die Lethargie und der langsame Tod sind auch Produkt der Einsperrung, im Zusammenhang mit einer generellen Mißachtung, Diskriminierung und Verurteilung der Normabweichler, der Andersartigen — der Menschen, die Sein anders