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Als in dem langen Sommer 1973 die Watergate-Verhöre nach und nach das volle Ausmaß der illegalen Aktivitäten Richard M. Nixons erkennen ließen, aß ich oft mit Psychotherapeuten aus unserem Institut zu Mittag, und unsere Gespräche drehten sich immer wieder um Nixons Persönlichkeit. Zu meiner Überraschung stimmten meine Kollegen in der Beurteilung Nixons überein. Bis vor kurzem hatten sie noch geglaubt, Nixon sei ein typischer Zwangscharakter, sei aber relativ gut integriert und wehre eine Menge verdrängter Aggression in typischer Weise ab, hauptsächlich durch überstarke Kontrolle seiner selbst und anderer und durch eine Reihe übersteigerter moralischer Grundsätze. Kurzum, er schien wenig anders als der gewöhnliche Geschäftsmann, den wir so häufig in der Psychotherapie sehen.
Aber durch die Watergate-Affäre wurde immer klarer, wie oberflächlich man Nixon bisher beurteilt hatte: seine zwanghaften Züge waren nur ein Schutzwall, der es ihm ermöglichte, sich wie die meisten Amerikaner zu verhalten. Es wurde immer deutlicher, daß er viel eher eine psychopathische Persönlichkeit war: in seinem Verfolgungswahn stellte er Listen von Feinden auf, ordnete deren illegale Überwachung und Verfolgung an, nahm heimlich unzählige Gespräche auf Band auf und ließ all die übrigen, inzwischen bekannt gewordenen Aktivitäten durchführen. Jeder Charakterzug, der für psychopathische Persönlichkeiten typisch ist, trat zutage: eine opportunistische Moral, ein defektes Über-Ich, eine ständige Konfusion zwischen dem, was richtig ist, und narzißtischen Bedürfnissen, paranoide Unsicherheit, kompensatorischer Größenwahn, oberflächliche zwischenmenschliche Beziehungen, Unvermögen, Schuld oder auch nur Bedauern zu empfinden, und überstarke Selbstbeherrschung in Verbindung mit immer weniger vorhersehbarer Erregbarkeit.
Manchmal spekulierten wir auch in unseren mittäglichen Diskussionen, ob eine richtige Analyse der Kindheit Nixons unsere Diagnose bestätigen würde; im allgemeinen findet man bei psychopat