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Das Werk erschien im ungarischen Original im Jahre 1943 unter dem Titel: „Die Urtriebe des Menschen“. Nun liegt die französische Übersetzung, die in einer Schriftenreihe „Die Psychoanalyse in der Welt der Gegenwart“ erschienen ist, vor uns.
Imre Hermann, Altmeister der Psychoanalyse, ist seit 1920 bis zum heutigen Tage psychoanalytisch tätig, und zwar trotz seines hohen Alters in vollem Besitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte. Seit dem Tode Ferenczis ist er die Hauptgestalt der Budapester Schule; nach dem zweiten Weltkrieg wurde er der Erzieher einer neuen psychoanalytischen Generation.
Sein Buch war beim Erscheinen im Jahre 1943 die Zusammenfassung von mehreren Jahrzehnten seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Seine Zielsetzung ist die Durchforschung aller unmittelbaren Erscheinungen und Abkömmlinge des menschlichen Trieblebens. Stets an konkreten Erfahrungen orientiert, meidet er bewußt zwei Themen: Er verwickelt sich nicht in die Debatte über Begriff und Natur des Triebes. Statt dessen richtet er sein Augenmerk auf jene Kriterien, die es entscheidbar machen, ob eine Erscheinung triebartig ist. Weiter bemüht er sich nicht um eine Aufteilung der Triebe; statt dessen beschreibt er sie und ihre Verbindungen. Er kommt zu überraschenden Resultaten. Die Kriterien sind:
Triebe sind nicht nur für das Individuum charakteristisch, sondern auch für Arten bzw. zoologische Gruppen;
sie richten sich auf biologisch festgelegte Gegenstände;
sie spornen zur biologisch begründeten Tätigkeit an, für die anatomische Einrichtungen zur Verfügung stehen;
die Triebtätigkeit löst Lustgefühle aus;
Trieb ist Ausbruch dauernder innerer Zustände;
seine Erscheinungen sind wirbelartig: die Funktion verläuft nicht nach dem Prinzip des „Geraden“, sondern des „Krummen“;
jedem Trieb ist eine spezielle Raumbezogenheit zugeordnet, dem Ernährungstrieb die Einverleibung; dem Anklammerungstrieb der Oberflächenkontakt; der Sexualität eine spezifische Mischung der vorigen; der Aggression das Hinausdrängen a