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Mitscherlichs Ideen zur Sozialpsychologie „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“ sind in französischer Sprache 1969, also nach den Ereignissen vom Mai 1968 erschienen. Alle genannten Autoren kennen sie. Besonders Le Gall und Muldworf wurden vom Schrecken vor der „Geschwistergesellschaft“, in der die Jugend jegliche Autorität in Frage stellt, dazu veranlaßt, über die Grundlagen der Vaterschaft in unserer Gesellschaft nachzudenken. Die Ausgangspunkte dieser beiden Autoren scheinen auf den ersten Blick sehr dicht beieinanderzuliegen. Muldworf will „den Vater rehabilitieren“ (S. 19), Le Gall postuliert, die Vaterrolle müsse, wenn auch „in erneuerter Form“, „durchgehalten“ werden, „koste es was es wolle“ (S. 14). Die scheinbar gleichermaßen konservativen Positionen liegen in Wirklichkeit jedoch weit auseinander.
Le Gall unterteilt sein Thema folgendermaßen: 1) Das Vaterbild des Kindes im Verlauf seiner Entwicklung; 2) die Vaterkrise; 3) die neue Rolle des Vaters heute. Im ersten Teil referiert der Autor psychoanalytische Erkenntnisse. Er betont, daß bei der Entwicklung der Dyade zum „ersten Dreieck“ Mutter—Kind—dritte Person, der Vater noch nicht deutlich unterschieden von anderen Personen wahrgenommen wird. Als Dritter ist er für das Kind nur ein Störer. Das „zweite“, ödipale Dreieck, das dem ersten aufsitzt, bleibt davon nicht unbeeinflußt. Le Gall empfiehlt den Vätern, sich schon früh um ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern zu bemühen, damit ihr Bild im Kind positiv genug ist, den ödipalen Konflikten standzuhalten. Es besteht sonst die Gefahr, daß es vom Kind zu einer ganz negativen, archaischen Vaterfratze verzerrt wird. Die Verbindung zwischen dem ersten und dem zweiten Dreieck bewirkt nach Le Galls Meinung, daß väterlicher Autorität unvermeidlich immer auch etwas anhaftet, das Widerspruch und Ablehnung provoziert (S. 23 f.). Wo der Vater fehlt oder wenig in Erscheinung tritt, ist das Kind der Möglichkeit beraubt, das Bild des bösen Fremden aus dem ersten Dreieck