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Dieses sehr interessante Buch des Schweizer Psychiaters und Psychotherapeuten Jürg Willi erscheint in einer Zeit, in der die Problematik zwischenmenschlicher Intimbeziehungen in Kunst, Film, Politik und Wissenschaft verstärkt diskutiert wird. Zuletzt haben die Filme von Ingmar Bergmann „Szenen einer Ehe„und Claude Chabrol „Eine Lustpartie„weite Beachtung gefunden. Die traditionelle Zweierbeziehung wird zunehmend in Frage gestellt und weicht ansatzweise neuen, experimentellen Formen des Zusammenlebens, die jedoch nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren mit sich bringen. Willi diagnostiziert „eine neue Form von Abwehrsyndrom: Die Idealform, der viele nachstreben, ist das Bild einer freien Beziehung emanzipierter Partner, die nur so weit und so lange Bestand hat, wie sie den Beteiligten die uneingeschränkte Selbstverwirklichung ermöglicht und durch unverpflichtete Liebe lebendig bleibt„(S. 8). Durch dieses Ideal seien aber die meisten Menschen überfordert; war das Problem von Paaren in früheren Jahren die zu starke Gebundenheit, so ist das der jüngeren oft die Scheu vor einer tieferen Bindung. Aber gerade „die dialektische Spannung zwischen Bedürfnissen nach Freiheit und dem Bedürfnis nach Bindung machen Reichtum, Dynamik und Fülle im Leben einer Partnerschaft aus, verursachen aber auch zu einem wesentlichen Teil die Spannung im Ehekonflikt„(S. 13). So stellt der Autor in seinem Einleitungskapitel („Die neue Angst vor der Ehe„) klar seinen persönlichen Standpunkt dar, von dem aus er sein Konzept pathologischer Paarbeziehungen entwickelt, das psychoanalytische, familientherapeutische und kommunikationstheoretische Gesichtspunkte berücksichtigt. Nach Beschreibung der typischen Phasen einer normalen Ehe mit ihren Krisenpunkten (die Phase der Paarbildung, die Aufbau- und Produktionsphase, die Krise der mittleren Jahre und die Altersehe) werden wichtige Funktionsprinzipien in Paarbeziehungen bezeichnet: Nach dem Abgrenzungsprinzip muß sich eine gut funktionierende Dyade ge