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Man kann organische, intrapsychische und interpsychische (soziale) Ursachen delinquenten Verhaltens unterscheiden.
Erbliche Belastung und genetische Schädigung können einem Menschen die Möglichkeit nehmen, sich in sinnvoller Weise anzupassen. Angeborene körperliche Defekte können zu Beziehungsstörungen schon in frühester Jugend führen. Ein geschädigtes Kind bedeutet eine schwere narzißtische Kränkung der Eltern, die dazu führt, daß sie es partiell oder gänzlich ablehnen, infolge der herrschenden gesellschaftlichen Normen in der Regel unbewußt. Das unbewußte Schuldgefühl wegen solcher Ablehnung kann dazu führen, daß die Eltern eine Form der Überverwöhnung ausbilden, die zu einer affektiven Verwahrlosung führen kann. Auch ungewollte Kinder kann dieses Los treffen; sie haben dann das Gefühl, immer wieder abgewiesen zu werden, fühlen sich minderwertig und werden schließlich mißtrauisch und aggressiv gegenüber ihrer Umwelt. Bei zunächst gut angepaßten Menschen kann sich infolge verschiedener Krankheiten — Epilepsie, Encephalitis, Meningitis —, aber auch infolge von Alkohol- und Drogenmißbrauch, bei posttraumatischen Zuständen, Hirntumoren etc. ein abweichendes Verhalten herausbilden. Auf die intrapsychischen Störungen möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, vielmehr auf die sogenannten Beziehungsstörungen, eine der wichtigsten Ursachen für delinquentes Verhalten.
Zunächst möchte ich das von der amerikanischen Psychiatrie entwickelte „Seif — Non-Self“ Konzept erwähnen. Das Selbst kann sich nur entwickeln, wenn die Vorstellung eines anderen Selbst verfügbar ist. Die Beziehung zum Nichtselbst schließt ein gewisses Maß von Abhängigkeit ein; bei Verlust des Nichtselbst gerät das Individuum in einen Konflikt. Die Urangst jedes Menschen ist die vor Ablehnung und Verlassenwerden; ihr arbeiten die normalen Abwehrmechanismen, entgegen: im Maße wie die einzigartige dyadische Mutter-Kind-Beziehung sich auflöst, können neue Beziehungen eingegan