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„Wenn du mir keine Salbe für meine Wunden geben kannst, so kannst du mir helfen, indem du kein Salz hineinstreust.“
Das persische Sprichwort weist recht gut auf die besondere Problematik der mehr als 60 psychisch gestörten Delinquenten der van Mesdag-Klinik in Groningen hin — auch auf die schwierige Aufgabe der ungefähr 200 Mitarbeiter.
Wir beherbergen Patienten, die seit frühester Jugend an schweren Störungen ihrer Persönlidikeitsentwicklung leiden, die sich u. a. in unangepaßtem und rezidivierendem kriminellen Verhalten äußern, worauf die Gesellschaft früher meist nur mit Sanktionen reagierte. Aber lange wie kurze Freiheitsstrafen heilen solche Patienten nicht, wirken eher als Salz in der Wunde ihres Urmißtrauens. Ein kleiner Teil der Patienten, mit denen wir es zu tun haben, wurde früher nicht oder kaum bestraft, sondern poliklinisch behandelt, mitunter auch in einer Pflegefamilie untergebracht. Aber auch eine solche Behandlung hat sich als wenig zweckemäßig erwiesen. Menschen, deren Problem es ist, daß sie jeder tieferen Beziehung zu einem anderen Menschen aus dem Wege gehen, neigen dazu, sich einer poliklinischen Behandlung zu entziehen. Seit einem halben Jahrhundert ist man der Auffassung, daß bei Patienten mit gestörter Persönlichkeitsentwicklung eine Psychotherapie indiziert ist. Bei Patienten, wie wir sie haben, erscheint uns aber die Psychotherapie nur dann gerechtfertigt, wenn diese Behandlung in einer Klinik stattfindet, die ein geschlossenes System darstellt und ein soziotherapeutisches Milieu bietet. Eine solche Einrichtung ist die van Mesdag-Klinik, Fast alle Patienten leben dort unfreiwillig, sind der Obhut der Regierung unterstellt. Und es ist gerechtfertigt zu fragen, ob nicht eine solche Zwangsbehandlung ebenfalls Salz auf ihre Wunde ist“ Wir glauben, daß das nicht der Fall ist, und zwar aus folgenden Gründen:
Wenn wir keinen Zwang anwenden, lassen wir den Patienten im Stich.
Niemand wird dazu gezwungen, sich an der Behandlung zu beteiligen, Der Zwang