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Kurt Schneider führt die Verhaltensstörungen, die er als Psychopathien zusammenfaßt, auf die „Anlage“ zurück und beschränkt damit von vorn herein die Behandlungsmöglichkeiten ganz außerordentlich. Wir nennen solche Verhaltensstörungen — in Anlehnung an einen von Kinderpsychiatern geprägten Begriff — psychopathieförmig und gehen davon aus, daß ihnen eine Entwicklungsstörung zugrunde liegt, daß folglich eine psychotherapeutische Behandlung aussichtsreich ist. Die Entwicklungspsychopathie ist eine Strukturstörung, die nicht in allen Bereichen der Persönlidikeit gleich stark ausgeprägt ist. So entsteht ein bizarres Muster von Defekten, Begabungen und Labilitäten, eine Mischung von infantilen und erwachsenen Zügen. Das Bild, das die Entwicklungspsychopathen bieten, ist ein sehr variables, das sich mit dem jeweiligen Milieu verändert. Beim ersten Kontakt scheinen diese Menschen oft frei von Verhaltensschwierigkeiten, sehr oft als geradezu angenehm freundlich und liebenswürdig. Auch zeigt nicht jeder Patient alle Symptome des psychopathologisdien Bildes. Bei der nun folgenden Charakterisierung gehe ich von praktischen Erfahrungen aus und beanspruche keineswegs, eine geschlossene systematische Theorie der Entwicklungspsychopathie zu geben.
Ich erwähne zunächst einige Kernsymptome: immer ist die Toleranz für Spannung, Angst und Unlust nur mangelhaft ausgebildet, der Verzicht auf unmittelbare Befriedigung fast unmöglich. Die Beziehungen zu anderen Menschen sind sehr oberflächlich, ambivalent und von fundamentalem Mißtrauen erfüllt. Die Patienten sind hochgradig verletzbar durch mangelnde Teilnahme, Kritik und ungenügende Anerkennung. Die Objektbeziehungen sind darum labil, kurzfristig, und die Angst vor Objektverlust überwiegt; manchmal besteht sogar ein Objekthunger. Gute Freundschaften und tragfähige Familienbeziehungen sind eine Ausnahme. Die Dimensionen Arbeit und Freizeit sind in hohem Grade problematisch; Kreativität, Humor und Empathie fehlen. Andere Symptome zeigen sic